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Annette Schavan: Reformfreudige Merkel-Vertraute

Fast wäre Annette Schavan Ministerpräsidentin von Baden-Württemberg geworden. Nun zieht die Theologin nach Berlin, um sich um den Bereich Bildung zu kümmern. Und um ihre enge Vetraute Angela Merkel.

Anette Schavan versteckt ihren politischen Ehrgeiz in langen, manchmal bedächtig wirkenden Sätzen. Die gebürtige Rheinländerin war schon öfters für Posten in der Hauptstadt im Gespräch. Im Bundestagswahlkampf 2002 gehörte sie dem Kompetenzteam von Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber als Expertin für Bildungs-, Forschungs- und Wissenschaftspolitik an. Dann war sie kurzfristig als mögliche Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten in der Diskussion.

Erst seit zehn Jahren Politikerin

Im Jahr 1995 betrat sie als Seiteneinsteigerin die politische Bühne im Südwesten. Seit zehn Jahren ist Schavan nun Ministerin in Stuttgart und hat sich einen Ruf einer reformfreudigen Bildungspolitikerin mit festem christlichem Weltbild erworben. Die überzeugte Katholikin machte vor allem bundesweite Schlagzeilen wegen des 1998 erlassenen Verbots für Lehrerinnen, beim Unterricht ein Kopftuch zu tragen. Deshalb wurde die deutsche Muslimin Ferestha Ludin nicht in den Staatsdienst übernommen. Das Verbot wurde vom Bundesverfassungsgericht gekippt, und deshalb wurde das Schulgesetz im Südwesten geändert.

In Stuttgart machte sich Schavan einen Namen als umtriebige Reformerin des Schulwesens. Auf acht Jahre verkürztes Gymnasium, neue Bildungspläne, Rückkehr zu mehr Verbindlichkeit in der Oberstufe, frühere Einschulung, Fremdsprachen schon in der Grundschule - das sind einige der vielen Baustellen, die von der Ministerin eröffnet wurden.

Gerne wäre sie die erste Ministerpräsidentin von Baden-Württemberg geworden und somit Nachfolgerin ihres politischen Förderers Erwin Teufel, der sie einmal als "schaffig", also fleißig, beschrieben hatte. Doch bei der Mitgliederbefragung der Südwest-CDU setzte sich ihr Widersacher Günther Oettinger klar durch. Beide verbindet keine allzu große Freundschaft.

Hält Merkel den Rücken frei

Zur CDU-Vorsitzenden Angela Merkel hingegen besteht eine enge Beziehung. Die promovierte Theologin und Philosophin hielt Merkel stets den Rücken frei, auch wenn die Parteichefin stark unter Druck war. Schavan trat in der Vergangenheit nie durch irgendwelche besonderen Vorstöße ins bundespolitische Rampenlicht. Sie äußerte sich meistens nur zu ihrem Fachgebiet. Sie ging immer selber davon aus, dass das Amt der Kultusministerin nicht die Endstation ihrer politischen Laufbahn sein wird. Ihre bisherige makellose politische Karriere war geprägt durch Durchsetzungsvermögen. Im Südwesten ging sie Konflikten mit Parteifreunden nicht aus dem Weg.

DPA / DPA