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Berlin vertraulich!: Die Kanzlerin, die Macht und die Bratkartoffeln

Kanzerlin Angela Merkel kennt kein Pardon, wenn jemand ihrem politischen Kalkül im Weg steht - das musste jüngst auch Günther Oettinger erfahren, der angeblich nur knapp einem Rücktritt entkam. Viel milder reagiert Merkel dafür bei Bratkartoffeln.

Von Hans Peter Schütz

Männer, die in der kühlen Machtkalkulation der Angela Merkel störende Faktoren sind oder sein könnten, leben politisch gefährlich. Nur haarscharf sei der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger in der Affäre um seine völlig missglückte Filbinger-Rede am Rücktritt vorbeigeschliddert, ist aus hochrangiger CDU-Quelle zu hören. Wie nah er ein "Ministerpräsident auf Abruf" gewesen ist, zeige sich auch darin, dass im Kanzleramt sehr wohl die Frage diskutiert worden ist: Was machen wir denn wenn...? Für den Fall, dass Oettinger sich weigere, sich zu entschuldigen, habe die bekannte Physikerin der Macht seelenruhig eine schnelle Lösung ventilieren lassen.

Danach sollte Volker Kauder als Ministerpräsident ins Stuttgarter Staatsministerium wechseln, denn der Stuttgarter CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Mappus sei "noch nicht so weit." Als Beteiligte an der Alternativplanung Merkels werden Forschungsministerin Anette Schavan und die Stuttgarter Umweltministerin Tanja Gönner genannt, beide langjährige Vertraute der Kanzlerin. Und im Hintergrund habe Alt-Ministerpräsident Erwin Teufel heftig an den Fallstricken für seinen Nachfolger gezerrt. Möglich wäre ein Wechsel Kauders nach Stuttgart gewesen, weil ein baden-württembergischer Regierungschef nicht dem Landtag angehören muss.

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Auf Machtbehauptung versteht sich Angela Merkel. Wie es indes um ihre Küchenkünste bestellt ist, ist weniger bekannt. Pflaumenkuchen kann sie, auch zu einer schmackhaften Kartoffelsuppe reicht es, seit sie vom fränkischen Starkoch Alexander Herrmann ein spezielles Rezept bekommen hat. Andererseits: Beim Braten einer Gans hat sie sich auch schon mal eine schmerzhafte Verbrennung am Handrücken zugezogen. Nach derlei Missgeschicken pflegt die Regierungschefin zuweilen in den Gasthof "Zur Eisenbahn" in Ringenwalde einzukehren, wo wieder die gute alte uckermärkische Küche gepflegt wird. Dort werden in der Stube mit Hirschgeweih an der Wand so ausgefallene Gerichte aufgetischt wie "Kadümzel" - Kaninchenfrikassee mit Backpflaumen und Rosinen - oder Spanferkelhaxe auf Blutwurstreis.

Und ganz besonders schätzt sie Bratkartoffeln, von denen sie sich schon mal Nachschlag bringen lässt. Einer wie Ulrich Kerz könnte natürlich viel detaillierter Auskunft geben über die Geschmacksnerven der Kanzlerin. Doch der Mann, der sie und ihre Gäste im Kanzleramt bekocht, schweigt eisern und lässt sich von Journalisten nur kulinarische Banalitäten entlocken: "Die deutsche Küche wird hier zu Lande zu sehr unterdrückt. Dabei ist sie in ihrer verfeinerten Art ein absoluter Hochgenuss." Aber Koch Kerz ist "sehr glücklich" bei der Kanzlerin, "denn regionale Kost auf der leichten Schiene ist für sie das Nonplusultra." Sagen wir es konkret: Roulade mit Schmorgurke, darauf steht die Kanzlerin auch.

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Im Berliner Polit-Café "Einstein" ist jetzt eine Ausstellung des Malers Hasso von Henninges, Mitglied der Neuen Münchner Künstlergenossenschaft, eröffnet worden. Laudator war kein Geringerer als Michael Naumann, Kulturstaatssekretär im Kanzleramt zu Gerhard Schröders Zeiten und jetzt SPD-Spitzenkandidat der kommenden Hamburger Bürgerschaftswahl. Das erklärt sich leicht, denn Ehefrau von Henninges ist Ex-Familienministerin Renate Schmidt. Lieblingsfarbe des Künstlers ist - auch erklärlich - Rot, was nach eigenen Worten des Künstlers bei ihm fast schon "obsessive Züge" hat. "Die Farbe Rot ist ein Rätsel und ist die reinste Magie." Was einen Besucher der Ausstellungseröffnung murmeln ließ: "Deshalb passt sie ja auch zur SPD."

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Über manches Krisenmanagement der SPD-Spitze kann man sich nur wundern. Da ist der alt gediente SPD-Sozialpolitiker Rudolf Dressler kurz vor dem Absprung zur Linken. Für Dressler befindet sich die SPD derzeit in einem "verkommenen Zustand." Und droht den Genossen: "Wenn die Sozis meinen, die bessere CDU-FDP-Mischung sein zu müssen, dann wünsche ich ihnen eine gute Reise." Und auf die Frage nach einem Wechsel zur Linkspartei, erklärt er offen: "Man soll nie 'Nie' sagen!" Die akute Gefahr, einen so prominenten Parteifreund zu verlieren, hat jetzt endlich auch SPD-Generalsekretär Hubertus Heil alarmiert. Was aber macht der ganz und gar undiplomatisch? Er lässt seine Sekretärin bei Dressler anrufen: "Ich soll einen Termin mit Dir vereinbaren." Dass da einer wie Dressler, der den Kopf für die SPD schon hingehalten hat, als Heil noch in den Kindergarten ging, sich despektierlich behandelt fühlt, ist verständlich.