ATOMKRAFTWERK Gravierende Sicherheitsmängel

Offenbar gravierender als bisher bekannt sind die Verstöße gegen Sicherheitsauflagen in dem bereits abgeschalteten AKW Philippsburg II gewesen.

Die Verstöße gegen Sicherheitsauflagen in dem bereits abgeschalteten Atomkraftwerk Philippsburg II sind offenbar gravierender gewesen als bisher bekannt. Die Betreiberfirma Energie Baden-Württemberg (EnBW) teilte am Dienstag mit, der 1400-Megawatt-Block werde voraussichtlich bis Ende November abgeschaltet bleiben. Eine Sprecherin des Energiekonzerns begründete dies damit, dass die Untersuchung der Vorfälle von Mitte August länger als angenommen in Anspruch nehmen werde. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters aus Energiekreisen wurden in dem Atomkraftwerk neue Verstöße bekannt. Beim Wiederanfahren des Reaktors nach der Revision im August sollen die für das Notkühlsystem wichtigen Flutbehälter nur zu drei Viertel mit Wasser gefüllt gewesen sein.

Die Unternehmenssprecherin konnte dies zunächst nicht bestätigen. Konzernchef Gerhard Goll hatte am Dienstagmorgen kurzfristig für den Nachmittag zu einer Pressekonferenz zu dem Thema eingeladen. Bisher war nur bekannt, dass die Borsäure- Konzentration in drei der vier Flutbehälter nach Wiederanfahren des Reaktors Mitte August zu gering war. Der Fehler wurde erst nach zwei Wochen bemerkt und ohne Abschaltung des Atommeilers korrigiert. Erst nach Einschreiten von Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hatte EnBW den Block II am 8. Oktober freiwillig erneut abgeschaltet.

Vorstandsmitglied zurückgetreten

Ursprünglich war EnBW von einer nur etwa zehntägigen Abschaltung zur Klärung der Vorgänge ausgegangen. Im Zusammenhang mit den Vorfällen trat das für den Bereich Technik zuständige Mitglied im EnBW-Vorstand, Klaus Kasper, vorige Woche zurück. Die Flutbehälter sind Teil des Notkühlsystems. Das Gemisch aus Wasser und Borsäure soll bei einem Unfall eine Kernschmelze verhindern.


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