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Atommüll-Transport nach Gorleben: Castor-Gegner attackieren Polizisten

Der Castor-Transport hat Deutschland erreicht und damit offenbar die Abwehrschlacht intensiviert: Atomkraftgegner attackierten Streifenwagen, die Polizei setzte erneut Wasserwerfer ein.

Der Castor-Transport mit Atommüll aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague hat Deutschland erreicht - und damit offenbar neue Krawalle ausgelöst. Im niedersächsischen Wendland setzten Atomkraftgegner nach Polizeiangaben mit Molotowcocktails zwei Streifenwagen in Brand. Die Polizei beklagte außerdem, dass Beamte dort "massiv" mit Steinen angegriffen würden. Erneut würden Wasserwerfer eingesetzt. Ein Polizeisprecher sprach von einem ungewöhnlichem Ausmaß an Aggressivität: "Wir sind schon überrascht, dass es so rustikal zugeht."

Proteste auch andernorts: Im pfälzischen Haßloch protestierten nach Angaben der Initiatoren 200 bis 300 Castor-Gegner. Sie versuchten, auf die Gleise zu gehen, um den Zug mit Sitzblockaden zu stoppen. In Neunkirchen im Saarland hatte die Polizei zuvor sieben Jugendliche gestoppt, die auf die Gleise stürmten.

Der Castor-Zug hatte am Freitagvormittag die Grenze bei Saarbrücken überquert. In Neunkirchen wurden die Loks ausgetauscht, fünf Stunden später rollte der Zug wieder an. Am Wochenende werden die Waggons mit den elf Behältern im niedersächsischen Wendland erwartet, von wo Tieflader sie die letzten Kilometer ins Zwischenlager bringen sollen.

Polizei will kein Schottern dulden

Die Polizei kündigte ein konsequentes Vorgehen gegen mögliche Straftäter an. Die Einsatzkräfte würden keine Straftaten wie etwa das Schottern der Gleise dulden, sagte Lüneburgs Polizeipräsident Friedrich Niehörster. Beim Schottern holen Atomkraftgegner Steine aus dem Gleisbett, um den Zug aufzuhalten. "Die Polizei wird sich beherzt dagegen stemmen", erklärte Niehörster.

Im niedersächsischen Wendland war es bereits am Donnerstagabend zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Atomkraftgegnern und der Polizei gekommen. In dem Örtchen Metzingen - rund 30 Kilometer von Gorleben entfernt - lösten Beamte eine Versammlung von 500 bis 600 Protestierenden auf einer Kreuzung an einer Bundesstraße gewaltsam auf.

Mehrere Verletzte auf beiden Seiten

Nachdem der Versammlungsleiter die Demonstration für beendet erklärt hatte, hätten die Teilnehmer weiter die Kreuzung blockiert, hieß es. Die Polizisten seien mit "Pyrotechnik und Farbbeuteln" beworfen worden. Zudem seien acht Beamte durch Steinwürfe und Reizgas verletzt worden, die ebenfalls von Demonstranten eingesetzt worden seien. Die Polizei habe die Versammlung mithilfe von Wasserwerfern aufgelöst. Atomkraftgegner sprachen von 20 durch Pfefferspray verletzten Demonstranten, eine Frau habe Prellungen erlitten. Vier Castorgegner wurden laut Polizei festgenommen.

Nach dem Vorfall in Metzingen sei die Nacht im Wendland ruhig verlaufen. "Die Lage ist, dass wir keine Lage mehr haben", sagte ein Polizeisprecher am frühen Morgen. Atomkraftgegner haben aber bereits weitere Protestaktionen an den Schienen angekündigt, um den Castor-Transport aufzuhalten.

Deutschland muss Atommüll zurücknehmen

Der Transport des Atommülls nach Gorleben ist seit Jahrzehnten umstritten. Greenpeace und andere Organisationen halten den Salzstock an der früheren DDR-Grenze für zu unsicher, um hier den Müll für immer in rund 800 Metern Tiefe zu lagern. Seit vielen Jahren gibt es daher Proteste gegen Castor-Transporte in das nahe des Salzstocks gelegene oberirdische Zwischenlager, wo der Müll bis zur Endlagerung abkühlen soll.

Der laufende Transport ist der letzte mit hoch radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente in Frankreich Richtung Gorleben. Bundesregierung und Energieversorger hatten sich bereits vor Jahren darauf verständigt, vom 1. Juli 2005 an keine abgebrannten Brennelemente wieder aufarbeiten zu lassen. Die Bundesrepublik ist jedoch verpflichtet, den bereits früher ins Ausland transportierten Atommüll zurückzunehmen.

fw/mad/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters