Auszeichnungen EU-Parlamentspräsident Cox bekommt Karlspreis


Cox ist der erste Ire und der dritte EU-Parlamentspräsident, der den Aachener Karlspreis "in Anerkennung seiner herausragenden persönlichen Verdienste um die Erweiterung und Demokratisierung der Union" erhält.

Für seine herausragenden Verdienste um die Erweiterung und Demokratisierung der Europäischen Union ist der Präsident des Europaparlaments, Pat Cox, mit dem Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen ausgezeichnet worden. Cox habe zu denen gehört, die das Tor von Europa für die neuen Mitglieder weit aufgestoßen hätten, sagte der Vorjahrespreisträger und frühere französische Staatspräsident Valery Giscard d'Estaing am Donnerstag bei seiner Laudatio für den Preisträger.

Karlspreis für den ersten Bürger Europa

Transparenz, Bürgernähe und pragmatische Politik zeichneten Cox aus, hieß es in der Begründung des Karlspreisdirektoriums. Mit ihm ehre man "den obersten Repräsentanten der Institution, die mit der Legitimation des einzig direkt gewählten EU-Organs dem demokratischen Element der Union Gestalt gibt".

Der 51-jährige irische Liberale Cox nahm Urkunde und Medaille aus den Händen des Aachener Oberbürgermeisters Jürgen Linden (SPD) vor rund 800 geladenen Gästen im historischen Krönungssaal des Aachener Rathauses entgegen. Cox betonte in seiner Ansprache, der Preis habe diesmal "einen besonderen Widerhall": "Dies ist das Jahr der Wiedervereinigung unseres Kontinents, die in der Erweiterung der Europäischen Union ihre Krönung findet." Nun gehe es darum, Europas volles und wirkliches Potenzial zu entdecken und zu verwirklichen, sagte der 51-Jährige knapp drei Wochen vor der sechsten Direktwahl des Europäischen Parlaments.

Ruf nach baldiger Verfassung

Nachdrücklich mahnte Cox eine schnelle Einigung über den Verfassungsvertrag der Europäischen Union an: "Ich rufe heute im Namen des Europäischen Parlaments die führenden europäischen Politiker auf, unsere neue Verfassung, deren Bestimmungen in sich schlüssig und wirksam sein müssen, so rasch wie möglich zu verkünden."

Eine Einigung werde es endlich ermöglichen, sich mit "echten politischen Grundsatzfragen und ihrer Lösung zu befassen", betonte der Preisträger. Sie werde dazu beitragen, die EU effizienter, transparenter und demokratischer zu machen. Denn trotz vieler Fortschritte müssten noch mehr löbliche Absichtserklärungen in praktische Ergebnisse umgesetzt werden, sagte Cox: "Europa muss von Worten zu Taten übergehen."

Ganz Irland darf sich ausgezeichnet fühlen

Laudator Giscard betonte, der Preisträger habe ein besonderes europäisches Profil. Die Ehrung gehe seiner Meinung nach nicht nur an Cox allein, sagte der französische Expräsident: "Auch ganz Irland darf sich ausgezeichnet fühlen." Das Land habe es verstanden, bei seinem EU-Beitritt seine Eigenheiten und Besonderheiten zu wahren, und sei ein gutes Vorbild für die neuen Mitglieder. Der Vorjahrespreisträger betonte ebenfalls die Wichtigkeit der europäischen Verfassung und kritisierte, sie werde durch die zahlreichen Änderungsvorschläge geschwächt. Es dürfe keine Minimalverfassung geben, sagte Giscard, der Präsident des EU-Konvents zur Ausarbeitung der europäischen Verfassung war. "Europa braucht eine Verfassung, die schön, einfach und stark ist."

Der Aachener Karlspreis wird seit 1950 an Menschen oder Institutionen verliehen, die sich um Europa und die europäische Einigung verdient gemacht haben, und gilt als eine der bedeutendsten Auszeichnungen Europas. Bundeskanzler Gerhard Schröder, Außenminister Joschka Fischer und der britische Premierminister Tony Blair würdigten in Schreiben an den Preisträger die persönlichen Verdienste von Cox für das Zustandekommen der EU-Erweiterung. Blair schrieb, der im Juni nach 15 Jahren als Abgeordneter ausscheidende Politiker hinterlasse ein Europaparlament, das 445 Millionen Menschen aus 25 Mitgliedstaaten der Union vertrete. Darauf könne Cox stolz sein.

DPA

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