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Baden-Württemberg: "Ich bleibe gesellig und bürgernah"

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger weiß sich nach eigenen Angaben in der Öffentlichkeit zu benehmen. Die "Teebrille" auf der Feier in Brüssel hätten "vor mir acht und nach mir drei Personen getragen", hat sich der CDU-Politiker verteidigt.

Von Rainer Nübel und Hans-Peter Schütz

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) sieht kein Problem darin, dass er sich bei einer Party in der Brüsseler Vertretung des Landes mit einer Brille aus Teesieben und an einem mit Alkoholika überladenen Tisch fotografieren ließ.

Der Vorgang, der sich Ende Januar ereignet hat, war am Dienstag Thema einer Regierungspressekonferenz in Stuttgart. Auf die Frage, ob es weitere solche Bilder von ihm gebe, antwortete der CDU-Politiker: "Ich weiß es nicht. Es ist mir auch egal. Ich weiß aber, dass ich mich in der Öffentlichkeit, aber auch privat ordentlich benehmen kann." Das sei auf dieser Feier in Brüssel aber keinesfalls der Fall gewesen, versichern Journalisten, die Oettinger nach Brüssel begleitet hatten.

Die "Welt" berichtete unterdessen süffisant, Oettinger liebe offenbar nächtliche Exzesse. Wenn Alkohol im Spiele sei, kämen ihm zuweilen derbe Worte über die Lippen. So verordne er in solchen Stunden schon einmal "drei Stunden Druckbetankung mit beliebiger Alkoholmenge" (O-Ton Oettinger). Das Verhalten des baden-württembergischen CDU-Vorsitzenden Oettinger ist auch in der Partei selbst ein intensiv diskutiertes Thema.

"Ich habe genügend Privatleben"

Auf die Frage, ob er den Zorn der CDU über derart peinliche Auftritte wie in Brüssel verstehen könne, antwortete Oettinger: "Nein, kann ich nicht. Die Brille, die ich dort trug haben vor mir acht und nach mir drei Personen getragen." Er habe sich an diesem Abend genau so verhalten wie etwa 80 weitere Personen in der Schwarzwaldstube der Brüsseler Vertretung. Im Übrigen habe er weiterhin die Absicht, "außerhalb der Kernarbeitszeit gesellig zu bleiben, leutselig und bürgernah." Eine Beeinträchtigung seiner politischen Arbeit sehe er darin nicht. Angesprochen darauf, dass er einmal gesagt hatte, wenn ein Regierender kein Privatleben mehr habe, verlasse er die Politik, antwortete er: "Ich glaube, dass ich genügend Privatleben habe."

Trotz dieser Erklärungen ist das Privatleben Oettingers und sein Auftritt in Brüssel unverändert Thema in der CDU des Landes. In Parteigremien wurde davor gewarnt, im Zusammenhang mit dem Privatleben der führenden CDU-Politiker jetzt "schmutzige Wäsche" zu waschen. Die "Welt" berichtete, dass konservative Katholiken und pietistische Protestanten empört seien: "Der Lebemann Oettinger müsse dies wissen."

Zudem zitierte das Blatt einen CDU-Mann mit dem Satz: "Da wird noch Dreck hochkommen." Selbst ein Rücktritt Oettingers sei nicht mehr ausgeschlossen. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU), die gegen Oettinger beim Kampf um den Posten des Ministerpräsidenten den kürzeren gezogen hatte, soll ihren Konkurrenten intern bereits heftig kritisiert haben. Sie ist eine Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel.

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