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Landtagswahl in Bayern: Bayern ergrünt! Warum es sich trotzdem um einen Wahlsieg für das konservative Lager handelt

Die Grünen haben bei der Landtagswahl in Bayern triumphiert, CSU und SPD eine Klatsche kassiert. Befindet sich die Politik im Freistaat nun im Umbruch? Zumindest ein Richtungswechsel ist wohl auszuschließen.

Landtagswahl in Bayern: Triumph für die Grünen - und doch ein Sieg für die Konservativen

Bayern, München: Der Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Robert Habeck (l.) und Anton Hofreiter, Vorsitzender der Bundesfraktion, jubeln im Landtag nach den ersten Wahlergebnissen

DPA

Was für ein Abend. Ein "historischer", nennt ihn die euphorisierte Parteispitze: Die Grünen ziehen als zweitstärkste Kraft (17,5 Prozent) in das Maximilianeum ein - während die CSU (37,2 Prozent) eine spektakuläre Wahlklatsche bei der Landtagswahl am vergangenen Sonntag kassiert und ihre Mehrheit im bayerischen Landtag verliert (lesen Sie hier mehr zu den Hintergründen). Und trotzdem: Robert Habeck ist "auf eine Art demokratisch enttäuscht", wie der Co-Vorsitzende am Tag danach vor Journalisten sagt. Der Schriftsteller bedauert, "dass das Wahlergebnis nicht zu einem Test führt": CSU und Freie Wähler (11,6 Prozent), damit drittstärkste Kraft, liebäugeln bereits mit einer Koalition. Die Grünen werden vermutlich stärkste Oppositionspartei in Bayern. Immerhin. 

Doch auch Spitzenkandidat Ludwig Hartmann hätte eine Koalition aus CSU und Grünen begrüßt, um Ökonomie und Ökologie - "das Beste aus beiden Welten" - zusammenzubringen. "Ich hätte das für eine ganz spannende Aufgabe gehalten." Habeck erkennt in dem Wahlergebnis gar einen "Gestaltungsauftrag", "nicht um der Macht willen, sondern um der Veränderung willen". 

Aber hat Bayern überhaupt die "Veränderung" gewählt?

Triumph für die Grünen, aber ein Sieg für Konservative

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Grünen einen historischen Achtungserfolg in Bayern feiern: Nie zuvor konnte die Partei zweistellige Wahlergebnisse einholen, ihr Ergebnis von 2013 hat sie gar verdoppelt und ist darüber hinaus nun fast doppelt so stark wie die SPD. Doch die politischen Lager in Bayern haben sich dadurch nicht verschoben.

Noch immer wählt die Mehrheit im Freistaat konservativ, die konservative "Alleinherrschaft" der CSU - wie sie Habeck zunächst nannte und sich später entschuldigte - ist nun auf mehrere Parteien verteilt. Und der Freistaat immer noch weit von einer "linken" Mehrheit  entfernt.

Die CSU verlor zwar auch an die Grünen zahlreiche Wähler (-190.000, Quelle: Tagesschau.de), aber besonders an konservative Parteien wie AfD (-160.000) und Freie Wähler (-220.000). Addiert man die Ergebnisse von CSU, AfD und Freien Wählern kommt das konservative Lager insgesamt auf 59 Prozent der Stimmen - während das Lager eher links der Mitte aus SPD und Grünen knapp 27 Prozent vereint. An diesen Verhältnissen würde auch das Ergebnis der bürgerlichen FDP (5,1 Prozent) nichts ändern.

Gibt es keine politischen Lager (in Bayern) mehr?

Habeck mag recht haben, dass es "diese Lager so nicht mehr gibt". Dafür spricht unter anderem die facettenreiche Wählerwanderung zu den Grünen - darunter zahlreiche Nichtwähler (+140.000) und sowohl ehemalige CSU- (+190.000) als auch SPD-Wähler (+230.000).

Darüber hinaus konnten die Grünen erstmals in ihrer Geschichte Direktmandate bei einer bayerischen Landtagswahl gewinnen, es sind insgesamt sechs - fünf davon in München. Bei der Landtagswahl 2013 hatte die CSU noch mit einer Ausnahme in ganz Bayern alle Direktmandate geholt. Die Ergebnisse aus den Stimmkreisen in München lassen sich allerdings nicht miteinander vergleichen, da sie seit der Landtagswahl 2013 neu aufgeteilt wurden. Nichtsdestotrotz: Fünf der insgesamt sechs Direktmandate gehen zulasten der CSU an die Grünen.

Was hat das nun zu bedeuten? Eine mögliche Schlussfolgerung: Die Wähler lassen sich mittlerweile tatsächlich nicht mehr politischen Lagern zuordnen, wie das früher noch der Fall gewesen sein mag. Eine andere: Die Grünen haben sich in der Wahrnehmung der bayerischen Wähler verändert und werden nicht mehr als stramm links orientierte Partei wahrgenommen, sondern als Partei links der Mitte.

Zumindest hat Co-Chef Habeck auch den Anspruch, "die Mitte" zu "stärken". Womöglich könnte die Landtagswahl in Hessen am 28. Oktober dieses Vorhaben unterstützen: Dort haben die Grünen laut aktuellen Prognosen mit bis zu 18 Prozentpunkten wieder zugelegt. 



fs