Bayern Warum die CSU kränkelt


Die Umfragewerte sinken, das Vertrauen in Beckstein und Huber bröckelt: Ein halbes Jahr vor der Landtagswahl in Bayern steckt die CSU in der Krise. Forsa-Chef Manfred Güllner sagt im stern.de-Interview, dass es den meisten Bayern egal wäre, wenn die CSU ihre absolute Mehrheit verlieren würde.

Bürokrat. Aktenfresser. Fallbeil. Edmund Stoiber musste sich in 14 Dienstjahren als bayerischer Ministerpräsident einiges an Schmähungen anhören. Der Oberbayer wurde stets mit einer rhetorischen Mischung aus Bewunderung und Spott bedacht - nicht selten auch von den eigenen Parteifreunden. Doch mittlerweile dürfte es kaum einen CSU-Kollegen geben, der sich nicht nach den Stoiber-Jahren mit ihren gesicherten Mehrheiten sehnt. Es geht bergab mit der letzten großen deutschen Volkspartei.

Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des stern stehen die meisten Menschen in Bayern einer Neuauflage der CSU-Alleinregierung nach der kommenden Landtagswahl gleichgültig bis ablehnend gegenüber. Insgesamt 39 Prozent der Befragten wäre es egal, wenn die CSU ihre absolute Mehrheit verlöre, 32 Prozent würden sich sogar freuen. Nur 29 Prozent würden sich ärgern, wenn die Christsozialen nach 42 Jahren keine absolute Mehrheit im Landtag mehr hätten.

Im stern.de-Web-TV-Format "Café Einstein" sagt Forsa-Chef Manfred Güllner, dass die CSU unter Erwin Huber und Günther Beckstein eine Vertrauenskrise bei der Bevölkerung durchlebe. "Es war das Geheimnis der CSU, das sie wirklich ein Gespür für die Ängste der Menschen hatte. Die Menschen glaubten, dass die Partei es schon richten wird. Und das radikale Rauchverbot war ein erster Indikator dafür, dass möglicherweise dieses Gespür verloren gegangen ist."

Bedeutungsverlust nach Stoiber

Gleichzeitig steigt die Gefahr für die CSU, die absolute Mehrheit im bayerischen Landtag bei den Wahlen im September zu verlieren. "Ich bin noch nicht sicher, ob es so kommt. Aber die Chance, dass die CSU unter die Fünfzig-Prozent-Marke sinkt, ist natürlich größer, als es bei den letzten Wahlen der Fall war", so Güllner im "Café Einstein".

Der Forsa-Umfrage zufolge glauben auch immer mehr Menschen, dass der bundespolitische Einfluss der CSU unter dem Parteivorsitzenden Erwin Huber gesunken sei. Mittlerweile vertreten 50 Prozent der Befragten diese Meinung. Lediglich vier Prozent sagten, dass die CSU in der Zeit nach Stoiber eine größere bundespolitische Rolle spielt.

Das größte Vorteil der CSU sei, so Güllner, die Schwäche des politischen Gegners: Die SPD kommt in Bayern seit den 60er Jahren nicht gegen die Christsozialen an.

Mehr über das Drama der CSU lesen Sie im aktuellen stern in Tilman Gerwiens Geschichte "Partei in Angst" ab Seite 62

Sebastian Christ

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker