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Reaktionen auf Aussage: "Nach ihrer Aussage: Beate Zschäpe heiliggesprochen"

Die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe hat ihr Schweigen gebrochen - und weist fast alle Vorwürfe von sich. Nach ihrer Aussage hagelt es Kritik. Das Netz spottet, die Angehörigen sind empört - die Reaktionen.

Die Angeklagte Beate Zschäpe gibt sich unschuldig

Die Angeklagte Beate Zschäpe gibt sich unschuldig

Beate Zschäpe hat ihr Schweigen im NSU-Prozess gebrochen. Ihrer 53-seitigen Einlassung zufolge will sie kein Mitglied des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) gewesen sein. "Ich weise den Vorwurf der Anklage, ich sei ein Mitglied einer terroristischen Vereinigung namens NSU gewesen, zurück", ließ Zschäpe ihren Anwalt Mathias Grasel am Mittwoch im NSU-Prozess verlesen.

Eigentlich ließ die 40-Jährige nahezu alles zurückweisen, was man ihr zur Last legt. Sie bestritt, an den zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen beteiligt gewesen zu sein, die die Bundesanwaltschaft dem NSU vorwirft. Ihre Freunde Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hätten sie stets erst hinterher über ihre Taten informiert.


Auch an dem Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter im April 2007 in Heilbronn sei sie nicht beteiligt gewesen, behauptet Zschäpe. Sie sähe bei sich nur eine moralische Schuld, weil sie "zehn Morde und zwei Bombenanschläge nicht verhindern konnte".

Die über zwei Jahre erwartete Aussage löste viele Reaktionen aus - sowohl bei den Angehörigen und Journalisten vor Ort als auch im Netz. Hier eine Auswahl:


Viele kaufen Zschäpe die Nummer mit der treudoofen Freundin zweier Terroristen, die das alles aber eigentlich gar nicht so wollte, nicht ab:


Auf Zschäpes Aussage "Ich hatte gelegentlich eine Pistole in den Schrank geräumt, wenn sie herumlag. Ich gewöhnte mich daran, ab und zu eine herumliegend Pistole gesehen zu haben. Akzeptiert habe ich es nie" hin kommentiert ein Nutzer:


ARD-Mann Holger Schmidt war vor Ort. Er fasst zusammen:


Auch die ZDF-"Heute-Show" kommentiert die dünnen Ausreden.


Auch dieser Nutzer wundert sich über die Wendung der Angeklagten:


Sogar ein Vorschlag für den Duden wurde im Zusammenhang mit Zschäpes Verhalten getwittert:


Der "Postillon" twitterte:


In die gleiche Richtung ging zuvor bereits ein spöttischer Kommentar eines Nebenklägeranwalts. Nach dem Ende von Zschäpes Erklärung sagte er: "Ist der Haftbefehl schon aufgehoben?"

"Ich nehme die Entschuldigung nicht an"

Zschäpes Entschuldigung - im Wortlaut "Ich entschuldige mich aufrichtig bei allen Opfern und Angehörigen von Opfern" - hat eine Tochter eines der Opfer zurückgewiesen. "Die angebliche Entschuldigung für die Taten von Mundlos und Böhnhardt nehme ich nicht an", sagte Gamze Kubasik am Mittwoch in München. "Sie ist eine Frechheit, vor allem wenn sie dann noch verbunden wird mit der Ansage, keine unserer Fragen zu beantworten." Mit ihrer Erklärung versuche Zschäpe, sich aus der Verantwortung zu ziehen. "Dieser Aussage glaube ich kein Wort", so Kubasik.

Gamze Kubasik ist die Tochter des 2006 in Dortmund ermordeten Kioskbetreibers Mehmet Kubasik. Die genauen Umstände des Mordes an ihrem Vater könnten mit Zschäpes Ausführungen nicht aufgeklärt werden, kritisierte sie. "Für mich ist das reine Taktik und wirkt total konstruiert."

fin