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Newsblog zum NSU-Prozess Die Einzelheiten zu Zschäpes Aussagen


Beate Zschäpes Anwalt hat nach zweieinhalb Jahren Schweigen ihre erste Aussage verlesen. Zschäpe weist Mittäterschaft bei NSU-Morden von sich und sagt, sie sei kein gleichwertiges Mitglied des NSU gewesen. Die Ereignisse im stern-Newsblog.

In den bisherigen zweieinhalb Jahren des NSU-Prozesses hatte die Hauptangeklagte Beate Zschäpe eisern geschwiegen. Sie folgte damit der Strategie ihrer drei alten Verteidiger Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm. Im Prozess muss sie sich als mutmaßliche Mittäterin für die Serie der zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge verantworten, die dem "Nationalsozialistischen Untergrund" zur Last gelegt werden. Zschäpe ist die einzige Überlebende des NSU-Trios.

Ihr Anwalt Mathias Grasel hat am heutigen Verhandlungstag vor Gericht eine schriftliche Einlassung Zschäpes verlesen. Auch auf Fragen des Gerichts will Zschäpe antworten - wenn auch schriftlich und mit Verzögerung. Damit wird diese Woche die bislang spannendste im Prozess am Oberlandesgericht München.

Hier können Sie die Ereignisse des 249. NSU-Prozesstages in der Chronik nachlesen.

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Newsblog zum NSU-Prozess

  • Jenny Kallenbrunnen
    • Jenny Kallenbrunnen

    Hier noch einmal das Wichtigste des heutigen Prozesstages in Kürze:

    ▪ Zschäpe bestreitet eine Beteiligung an sämtlichen Morden und Sprengstoffanschlägen des NSU. Sie will nicht einmal Mitglied des NSU gewesen sein.

    ▪ Zschäpe beteuert, sie habe von den Morden ihrer Freunde Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt immer erst im Nachhinein erfahren und sei entsetzt gewesen.

    ▪ Sie gesteht, die letzte Fluchtwohnung der Gruppe in Zwickau in Brand gesetzt zu haben. Vor der Brandstiftung sei sie durchs Haus gegangen, um sicherzustellen, dass sich niemand mehr darin befinde. Ein verschuldeter Mord durch Brandstiftung soll damit ausgeschlossen werden.

    ▪ Zschäpe sieht sich im juristischen nicht schuldig, räumt lediglich ein: "Ich fühle mich moralisch schuldig, dass ich zehn Morde und zwei Bombenanschläge nicht verhindern konnte."

    ▪ Sie habe versucht, Mundlos und Böhnhardt vom Morden abzuhalten. Sie habe immer wieder mit dem Gedanken gespielt, zur Polizei zu gehen und das Leben im Untergrund zu beenden. Doch wegen der Selbstmorddrohung ihrer Freunde (sie nennt sie ihre "Familie") sei die Lage für sie unlösbar gewesen.

    ▪ Zschäpes neuer Pflichtverteidiger Grasel greift die drei alten Anwälte der Hauptangeklagten Heer, Stahl und Sturm aufs Schärfste an und fordert eine Entpflichtung dieser drei Pflichtverteidiger. Zschäpe sei es nicht möglich gewesen, ihr langes Schweigen im Prozess aus eigener Kraft zu brechen.

  • Jenny Kallenbrunnen
    • Jenny Kallenbrunnen

    Schluss für heute: Mit dem Antrag der beiden neuen Verteidiger Grasel und Borchert und den Stellungnahmen dazu endet der 249. NSU-Prozesstag am Oberlandesgericht München.

    Es geht weiter am kommenden Dienstag.
    Dann spricht Zschäpe vielleicht auch selbst. Richter Götzl hat sie gebeten, wenigstens Fragen zu persönlichen Sachverhalten selbst zu beantworten.

  • Jenny Kallenbrunnen
    • Jenny Kallenbrunnen

    Die Stellungnahmen Grasels Entpflichtungsantrag dauern an.
    Nun liegt es an den Richtern, über den Antrag zu entscheiden.

  • Jenny Kallenbrunnen
    • Jenny Kallenbrunnen

    Grasel erläutert ausführlich, warum das Vertrauen zu Heer, Stahl und Sturm endgültig und absolut zerrüttet ist.
    Die Altverteidiger seien "unkooperativ und unkollegial", ihr Verhalten "bewusst schädigend". Seit Monaten gebe es bereits keine Kommunikation mehr mit ihnen.

  • Jenny Kallenbrunnen
    • Jenny Kallenbrunnen

    Grasel beantragt, Zschäpes Altanwälte Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm aus dem Mandat zu entlassen.

    Zschäpe habe sich nicht gestellt, um nichts zu sagen, argumentiert Grasel.

  • Jenny Kallenbrunnen
    • Jenny Kallenbrunnen

    Zschäpes Verteidiger Grasel will noch einen Antrag stellen, Richter Götzl wollte schon Schluss machen für heute.

  • Jenny Kallenbrunnen
    • Jenny Kallenbrunnen

    Die Richter sind inzwischen wieder im Sitzungsaal.

    Der morgige Verhandlungstag fällt aus. Man wolle die Einlassung ausarbeiten und Fragen an Zschäpe vorbereiten. Das Programm für die nächste Woche bleibe aber bestehen. Zschäpe soll prüfen, ob sie nicht einen Teil der Fragen direkt beantworten will.

    Der NSU-Untersuchungsausschuss Baden-Württemberg lässt seine Sitzung am Freitag wegen Zschäpes Erklärung ausfallen.

  • Jenny Kallenbrunnen
    • Jenny Kallenbrunnen

    Zschäpes alter Verteidiger Heer spricht das Offensichtliche aus:
    "Es hat ein diametraler Wechsel in der Verteidigungsstrategie stattgefunden."
    Er selbst hatte seit Beginn des NSU-Prozesses eine Schweigestrategie der Angeklagten bevorzugt.

  • Jenny Kallenbrunnen
    • Jenny Kallenbrunnen

    Nach Gerüchten wird es in der Fortsetzung des Prozesses nach Zschäpes Erklärung zunächst prozessuale Anträge von verschiedenen Seiten geben.

  • Jenny Kallenbrunnen
    • Jenny Kallenbrunnen

    Noch ist nicht klar, ob es heute im Verfahren überhaupt weiter geht oder es eine weitere Verzögerung geben wird.

    Noch passiert nichts im Sitzungssaal. Keiner der Richter ist anwesend. Die Angeklagten und alle anderen Beteiligten warten.

  • Jenny Kallenbrunnen
    • Jenny Kallenbrunnen

    Auch Bundesanwalt Herbert Diemer sagt: "Zschäpes Einlassung ist ein Beweismittel von vielen."

  • Jenny Kallenbrunnen
    • Jenny Kallenbrunnen

    Nebenklage-Anwalt Mehmet Daimagüler kündigt an: "Wir werden diese Einlassung natürlich genauestens prüfen." Er nennt die Einlassung nur ein Beweismittel unter vielen.

    Eine Bewertung will Daimagüler noch nicht vornehmen. "Das ist für meine Mandantschaft ganz, ganz bitter. Meine Mandantschaft wollte erfahren, warum ihre Väter, Ehemänner, Brüder sterben mussten. Davon hat Frau Zschäpe heute nichts gesagt. Es war einfach eine Geschichte zum eigentlich Verzweifeln."

  • Jenny Kallenbrunnen
    • Jenny Kallenbrunnen

    Mitteilung des Gerichts: Es geht erst um 13 Uhr weiter.

  • Jenny Kallenbrunnen
    • Jenny Kallenbrunnen

    Ein neuer Überblick zur Einlassung:
    ▪ Zschäpe bestreitet eine Beteiligung an sämtlichen Morden und Sprengstoffanschlägen des NSU. Sie will nicht einmal Mitglied des NSU gewesen sein.

    ▪ Zschäpe beteuert, sie habe von den Morden ihrer Freunde Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt immer erst im Nachhinein erfahren und sei entsetzt gewesen.

    ▪ Sie gesteht, die letzte Fluchtwohnung der Gruppe in Zwickau in Brand gesetzt zu haben. Vor der Brandstiftung sei sie durchs Haus gegangen, um sicherzustellen, dass sich niemand mehr darin befinde. Ein verschuldeter Mord durch Brandstiftung soll damit ausgeschlossen werden.

    ▪ Zschäpe sieht sich im juristischen nicht schuldig, räumt lediglich ein: "Ich fühle mich moralisch schuldig, dass ich zehn Morde und zwei Bombenanschläge nicht verhindern konnte."

    ▪ Sie habe versucht, Mundlos und Böhnhardt vom Morden abzuhalten. Sie habe immer wieder mit dem Gedanken gespielt, zur Polizei zu gehen und das Leben im Untergrund zu beenden. Doch wegen der Selbstmorddrohung ihrer Freunde (sie nennt sie ihre "Familie") sei die Lage für sie unlösbar gewesen.

  • Jenny Kallenbrunnen
    • Jenny Kallenbrunnen

    Die Tochter des im April 2006 in Dortmund erschossenen Mehmet Kubasik nimmt Zschäpes Entschuldigung nicht an.

    "Die angebliche Entschuldigung für die Taten von Mundlos und Böhnhardt nehme ich nicht an: sie ist eine Frechheit, vor allem, wenn sie dann noch verbunden wird mit der Ansage, keine unserer Fragen zu beantworten", sagt Gamze Kubasik in der Pause. Sie sei wütend.


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