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Berlin: Arme sollen Ratten jagen

Kein Scherz, sondern eine ernst gemeinte Idee: Aus der FDP kommt ein Vorschlag, wonach sich arme Menschen dadurch Geld dazu verdienen sollen, dass sie in der Hauptstadt auf Rattenjagd gehen. Für jedes tote Tier soll es einen Euro geben. Der Vorschlag erntete sofort harsche Kritik - auch aus der FDP.

Der Fraktionsvize der Berliner FDP hat mit der Forderung für Empörung gesorgt, arme Menschen sollten sich mit dem Töten von Ratten etwas dazu verdienen. "Vor allem Leute, die sonst auch Flaschen sammeln, könnten dann für jede tote Ratte einen Euro bekommen", sagte der FDP-Chef des Berliner Bezirks Mitte und stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus, Henner Schmidt, dem "Berliner Kurier". Einen entsprechenden Antrag will die FDP demnach am Donnerstag in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Mitte einbringen.

Das Erwerbslosen Forum Deutschland forderte FDP-Chef Guido Westerwelle auf, Schmidt zur Räson zu bringen. "Es ist nur noch menschenverachtend und zynisch, wenn dieser arme Menschen zur Jagd auf Ratten schicken will, damit Berlin seine Rattenprobleme gelöst bekommt", erklärte die Organisation.

"Sollte die FDP tatsächlich ihren absurden und menschenverachtenden Vorschlag am Donnerstag in die BVV einbringen, können wir eigentlich nur noch Berliner Hartz-IV-Bezieher dazu auffordern, dass sie anstatt Jagd auf Ratten zu machen, besser Jagd auf Berliner FDP-Politiker machen", erklärte der Sprecher des Forums, Martin Behrsing.

Der Berliner FDP-Fraktionschef Martin Lindner pfiff seinen Stellvertreter am Dienstag postwendend zurück. "Ich halte den Vorschlag des Vorsitzenden der FDP Mitte, Henner Schmidt, zur Bekämpfung der Rattenplage für äußerst unglücklich und ungeeignet. Hinzu kommt, dass von Teilen der Medien der falsche Eindruck erweckt wurde, dem Kollegen Schmidt sei es um den gezielten Einsatz von Armen zur Bekämpfung der Rattenplage gegangen. Ich bin aber froh, dass er den entstandenen falschen Eindruck sehr schnell korrigiert hat."

Korrektur: Liebe Leser, wir haben diesen Artikel ursprünglich mit der Zeile "Hartz-IV-Empfänger sollen Ratten jagen" überschrieben. Dabei ist uns ein Fehler unterlaufen: Der Vorschlag des FDP-Politikers Henner Schmidt bezieht sich laut Zitat "vor allem [auf] Leute, die sonst auch Flaschen sammeln." Diese Gruppe kann nicht gleichgesetzt werden mit der Gruppe der Menschen, die Arbeitslosengeld II beziehen. Wir haben diesen Fehler nachträglich korrigiert und bitten um Entschuldigung dafür. Ihre stern.de-Redaktion

AFP / AFP
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