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Berlin³: Parteitag in München: Die CSU – letzte Brandmauer gegen die AfD

Drei Blickwinkel, immer aus Berlin - das ist unsere neue Kolumne Berlin³. Dieses Mal geht es um die CSU, die es als einzige von den etablierten Parteien schafft, die AfD kleinzuhalten.

CSU-Parteichef Horst Seehofer kämpft um jeden Wähler - auch um solche, die Angela Merkel bereits aufgegeben hat

CSU-Parteichef Horst Seehofer kämpft um jeden Wähler - auch um solche, die Angela Merkel bereits aufgegeben hat

Mein Gott, was für eine Partei! Gäbe es sie nicht, man müsste sie erfinden. In ihren Ortsvereinen gibt es einen "Vergnügungswart", sie bietet so wunderbare Termine an wie ein "Haxenessen auf dem Schabernack" oder eine "Starkbierprobe" mit dem Bundeslandwirtschaftsminister persönlich. Und in ihren Reihen tummeln sich jede Menge bajuwarische Kraftnaturen, ein unerschöpfliches Figurenarsenal für jedes Polit-Drama. Der stets hintergründig-diabolisch lächelnde Noch-Patriarch Seehofer, der brutal nachdrängende Macht-Macho Söder. Wunderbar!

Wenn die CSU am Wochenende in München zu ihrem Parteitag zusammentrifft, wird es wieder jeden Menge frotzelnd-herablassende Kommentare geben über dieses seltsame Gebilde im Süden der Republik, das die Kanzlerin mit der Forderung nach einer "Obergrenze" für Flüchtlinge an den Rand des Wahnsinns getrieben hat.

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Die CSU ist wichtig für die innere Statik der Republik

Was häufig übersehen wird: wie wichtig diese Partei ist. Für die innere Statik der Republik, für ihr politisches und gesellschaftliches Gleichgewicht. Die CSU ist die letzte Volkspartei in Deutschland. In Umfragen bekennen sich noch immer 44 bis 47 Prozent zu ihr. Für die Merkel-CDU, die eine Landtagswahl nach der anderen verliert, sind das inzwischen Werte wie von einem anderen Stern. Und: Die CSU schafft es bisher, die AfD in Bayern auf Werte von unter 10 Prozent zu drücken. Das ist eine große politische Leistung. Sogar im konservativ geprägten Baden-Württemberg kam die AfD auf 15 Prozent, in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern auf über 20 Prozent.

Alle, die mit der durchgrünten Merkel-Republik fremdeln, alle, die gegen massive muslimische Zuwanderung sind, alle, die Angst haben vor wachsender Kriminalität und islamistischem Terror, die am überlieferten Modell von Ehe und Familie festhalten wollen – all jenen bietet die CSU eine Heimat. Für viele von ihnen, auch außerhalb Bayerns, ist sie die letzte Hoffnung.

Man muss diese Menschen und ihre Einstellungen nicht mögen. Aber es ist besser, sie sind bei der großen, alten CSU, als dass sie wie so viele andere dem politischen Wahnsinn verfallen. Denn dann laufen sie zur AfD oder sie verlieren sich in den Untiefen des Internets, in Hass und Verschwörungstheorien.

Brandmauer gegen die AfD

Die CSU ist eine Brandmauer gegen die AfD. Auch wenn sie selber nicht selten übel gegen Flüchtlinge holzt: Sie bindet Menschen, die mit der Kanzlerin längst gebrochen haben, immerhin an den Grundkonsens der Bundesrepublik: Demokratie, Menschenrechte, Westbindung, Marktwirtschaft.

Merkel hat diese Menschen aufgegeben. Seehofer kämpft um jeden von ihnen. Natürlich nicht, weil er uneigennütziger politischer Sozialarbeiter ist – er denkt vor allem an seine absolute Mehrheit in Bayern. Aber am Ende tut er mit seiner CSU mehr gegen die AfD als viele, die sich im Talk-Show-Zirkus als Antifa aufmanteln – und dann daheim ihren Wahlkreis an die Neo-Rechten verlieren.