Berlin vertraulich! Die Hot Pants des Westerwelle-Vertrauten


Der FDP-Bundesgeschäftsführer Hans-Jürgen Beerfeltz hat bei einer stern-Party im wahrsten Wortsinn Hot Pants getragen und anschließend den Gastgeber gebeten zu prüfen, ob seine Versicherung Schadenersatz leisten kann - in Höhe von 300 Euro. Und das ist nicht die einzige Drohgebärde, die zurzeit in den Reihen der FDP zu beobachten ist.
Von Hans Peter Schütz

Hot pants hat FDP-Bundesgeschäftsführer Hans-Jürgen Beerfeltz im wahren Wortsinn unlängst getragen. Auf der jüngsten Party des Berliner Büros des Magazins stern holte er sich irgendwo eine heiße Hose, die er nach dem Fest als Brandfleck identifizierte. Wem oder was war er zu nahe gekommen? Beerfeltz meint nach intensiver Prüfung seines Beinkleids: Das kann nur durch einen Beleuchtungskörper geschehen sein. Also haftet für ihn der Gastgeber. Und den Ersatzwert der Hose bezifferte der Westerwelle-Vertraute mit 300 Euro. Frage eins: So teure Hosen trägt man bei der Partei der Besserverdienenden? Frage zwei: Ist der Mann, der sechsstellig im Jahr verdient, teure Sportwagen liebt und intensiv Golf spielt, etwa unterbezahlt?

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Im Berliner Tagesspiegel erschien jetzt eine scharfe Polemik gegen die Grünen, verfasst von der FDP-Europapolitikerin und Westerwelle-Vertrauten Silvana Koch-Mehrin. Nur noch eine "diffuse Selbstfindungsgruppe" seien die Grünen, untereinander selbst nicht grün. Für die Autorin ein klarer Fall politischer Unverträglichkeit: "Die politische Melange zwischen Blaugelb und Grün kann zurzeit nicht funktionieren." Da laufe koalitionspolitisch nichts, aber auch gar nichts. Denn, so schreibt die FDP-Dame von Frau zu Frau: "Der liberale Vorrat an Taschentüchern reicht nicht aus für Claudia Roths Tränen."

Was da unterm Signum der Meinungsfreiheit daherkommt, hat eine für die Westerwelle-FDP typische Vorgeschichte. Dass der FDP-Politiker Jorgo Chatzimakaki im stern und bei stern.de die Vision einer Vereinigung von FDP und Grünen als neues Projekt der politischen Mitte ausgebreitet hatte, darüber ärgerte sich Parteichef Westerwelle im Wortsinn grün-blau. Als Chatzimarkakis ihn vorab persönlich über das Programmpapier unterrichten wollte, kam er über den Westerwelle-Sekretär Martin Biese nicht hinaus - im Blick auf die Tatsache, dass "Chatzi" immerhin im FDP-Bundesvorstand sitzt, ein bemerkenswerter Affront. Zudem gab es ihm Vorzimmer-Herr Biese, wie der selbst stolz später in kleiner Runde erzählte, saugrob: Wenn er das Papier tatsächlich veröffentliche, drohte er dem Parteifreund, werde sein Karriere in der FDP beendet sein. Weil das keinen Eindruck machte, ließ Westerwelle auch noch Koch-Mehrin von der Leine. Mit gleicher Botschaft. Wenn Chatzimarkakis das Papier publiziere, werde er nicht mehr im nächsten Europarlament sitzen.

Gefruchtet haben die Pressionen nichts. Unter den Lesern des "Tagesspiegels" scheinen indes Kennern der innerparteilichen FDP-Demokratie gewesen zu sein. Denn einer schrieb unter der Überschrift "Auftragsarbeit": "Erst sollte sie ihren Kollegen Chatzimarkakis daran hindern, öffentlich die Fusion von Grün und Geld als Perspektive zu nennen. Als ihr das nicht gelang, wurde sie von Westerwelle zur Strafarbeit eingeteilt. (Haltungs-)Note: sechs." Schön, wenn einer der Westerwelle-FDP auch noch ins Merkheft den Satz von Schillers Marquis Posa geschrieben hätte: "Sire, geben Sie Gedankenfreiheit." In der alten FDP gab es die ja noch.

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Ruckzuck ging das. Kaum war Edmund Stoiber den CSU-Vorsitz am Wochenende los, schon war er CSU-Ehrenvorsitzender. Vorgeschlagen hat ihn dafür der neue Parteichef Erwin Huber. So weit, so ehrenvoll. Auf dem Parteitag saß allerdings auch noch ein anderer ehemaligen CSU-Vorsitzender, Theo Waigel. Er war einst von Stoiber nach einem Wahlkampf unter der Gürtellinie mit unhaltbaren Gerüchten um sein Privatleben ums Amt gebracht worden. Weshalb wurde er nicht von Stoiber auch zum CSU-Ehrenvorsitzenden ernannt? Ganz einfach, sagt Waigel. Von Stoiber hätte er den Ehrenvorsitz niemals angenommen. Der Mann zieht eine klare Kante.

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Auch nach seinem Austritt bei der SPD hält der Bundestagsabgeordnete Uli Maurer die baden-württembergische SPD von Berlin aus interessiert im Blick. Die Wiederwahl von Ute Vogt als schwäbische SPD-Landesvorsitzende amüsiert den Parlamentarischen Geschäftsführer von Die Linke. "Das Ganze ist eine Provinzposse. Die Landesvorsitzende ist extrem schwach, ihre Gegner noch schwächer. Die Kombination ergibt eine Lachnummer." Sein Ratschlag an die Ex-Genossen: Sie müssten eben einen Spitzenkandidaten einfliegen, so wie die Hamburger sich Michael Naumann, den Berliner Ex-Kulturstaatssekretär, geholt haben. Stimmt ja, aber wer will schon in Baden-Württemberg für die SPD antreten, wo sie von den Demoskopen derzeit mit 19 Prozent gehandelt wird?

Korrektur: In die Kolumne hat sich eine Ungenauigkeit eingeschlichen, die wir nachträglich korrigiert haben. Ursprünglich hatten wir in dem Text behauptet, FDP-Bundesgeschäftsführer Hans-Jürgen Beerfeltz habe Schadenersatz von der Redaktion des stern gefordert. Das ist ungenau. Beerfeltz hat die stern-Redaktion lediglich gebeten zu prüfen, ob ihre Haftpflichtversicherung Schadenersatz leisten könne. Wir bitten, diese Ungenauigkeit zu entschuldigen. Die Redaktion


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