Bevölkerungsstatistik Rekordzahl an Deutschen verlässt das Land

Die Zahl der Bundesbürger, die ihr Glück in der Ferne suchen, hat Rekordniveau erreicht. 2008 kehrten laut Statistischem Bundesamt so viele Deutsche ihrer Heimat den Rücken wie seit Beginn der Aufzeichnungen nicht. Und auch die Gesamtzahl der Auswanderer lag erstmals seit 1984 über dem Niveau der Einwanderer.

Erstmals seit fast einem Vierteljahrhundert haben im vergangenen Jahr wieder mehr Menschen Deutschland verlassen als eingewandert sind. 2008 zogen etwa 682.000 Personen zu und 738.000 weg, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte. Damit gab es zum ersten Mal seit 1984 wieder einen negativen Wanderungssaldo. In den Jahren seit 1984 waren insgesamt jedes Jahr mehr Menschen gekommen als gegangen. Vor 1984 hatte der Saldo ständig zwischen Negativ- und Positivbereich geschwankt.

Vor allem bei den Deutschen hält der Trend an, dem Heimatland den Rücken zu kehren: Bei ihnen gab es mit 175.000 Auswanderern die höchste Zahl seit Beginn der Aufzeichnungen 1954. Das Bundesamt wies allerdings darauf hin, dass der tatsächliche Umfang der Fortzüge und die Entwicklung gegenüber dem Vorjahr unklar sind: Wegen der Einführung der persönlichen Steuer-Identifikationsnummer seien die Melderegister 2008 umfangreich bereinigt worden, was zu zahlreichen Abmeldungen von Amts wegen geführt habe. Der Umfang dieser Bereinigungen sei statistisch aber nicht zu ermitteln.

"Die Abwanderung von Deutschen hält an"

Trotz der Bereinigungen zeigt die Bilanz der Zu- und Fortzüge für 2008 aber einen negativen Saldo von 56.000 Personen. Bei den ausländischen Ein- und Auswanderungen ist der Saldo mit 11.000 leicht positiv - es kamen also mehr als weggingen -, bei den Deutschen liegt er dagegen mit 66.000 im Minus. "Somit ist trotz der Unklarheit über die tatsächliche Zahl der Fortzüge davon auszugehen, dass die Abwanderung von Deutschen anhält", erklärt das Statistische Bundesamt.

Seit Jahren kehren immer mehr Deutsche ihrer Heimat den Rücken. 2008 stieg ihre Zahl im Vergleich zu 2007 noch einmal um etwa 14.000. Während rund 175.000 Deutsche auswanderten, kamen im gleichen Zeitraum rund 108.000 Deutsche aus dem Ausland, gegenüber dem Vorjahr war dies ebenfalls ein leichter Anstieg um etwa 2000. Darin sind auch 4000 Spätaussiedler enthalten.

Die Zahl der Ausländer, die Deutschland verließen, stieg 2008 von 476.000 auf 563.000. Zugleich wanderten etwa 574.000 Ausländer zu. Gegenüber 2007, als 575.000 Ausländer kamen, blieben diese Zuzüge somit konstant.

Während die Gesamtzahl der Auswanderer im vergangenen Jahr gegenüber 2007 um etwa 100.000 stieg, scheint bei der Zuwanderung der Minustrend vorerst gestoppt zu sein. Im Vergleich zu 2007 veränderte sich die Zahl der Zuwanderer kaum, nachdem sie von 2001 bis 2006 kontinuierlich zurückgegangen war. In der ersten Hälfte der 90er Jahre hatte die Zahl der Zuwanderer noch jährlich die Millionengrenze überschritten.

Die deutschen Zuwanderer, die 2008 nach Deutschland einwanderten oder dorthin zurückkehrten, kamen vor allem aus Polen (12.100), den USA (10.500), der Schweiz (8200) und Spanien (7900). Die ausländischen Zuwanderer kamen vorwiegend ebenfalls aus Polen (119.200), aber auch aus Rumänien (47.000), der Türkei (26.200), Ungarn (25.100) und Bulgarien (23.600).

Hauptziele der Zuwandernden waren wie im Vorjahr Nordrhein-Westfalen (137.000), Baden-Württemberg (121.000) und Bayern (120.000). Bezogen auf die Einwohnerzahl lagen Berlin mit 13 Zuzügen pro 1000 Einwohner und Hamburg mit 12 Zuzügen pro 1000 Einwohner vorne.

Mirjam Moh, AP AP

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