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Kolumne: Hier spricht der Boomer Warum sind die Schüler der Politik eigentlich so egal?

Von hinten sind zwei Schülerinnen mit langen Haaren zu sehen, die gemeinsam in einem Klassenraum sitzen
Deutschland braucht eine Bildungsoffensive, meint unser Autor Frank Schmiechen (r.o.)
© Felix Kästle / DPA
Schüler in Deutschland haben in den vergangenen 18 Monaten gelitten. An Leib und Seele. Jetzt will Berlin ausgerechnet bei den Schulen Millionen einsparen. Dabei betonen Politiker immer wieder, wie wichtig gerade die Bildung ist. Wie kann das sein, fragt sich unser Autor.
Von Frank Schmiechen

Seit Jahren steht das Thema Bildung und Chancengleichheit ganz oben auf der Agenda der SPD, der Linken und Grünen. Alles soll besser werden, heißt es in Sonntagsreden. Für ein schlaueres Deutschland. Da müsste also vieles möglich sein mit der neuen Ampel-Regierung. Bildungsexperte Martin Habersaat sagt, es gebe die übereinstimmende Bereitschaft, weiter in die Schulen zu investieren, Gebäude zu sanieren und die digitale Ausstattung zu verbessern. Na, da freuen wir uns drauf!

Aber woher nimmt Herr Habersaat eigentlich seinen Optimismus? Schauen wir doch einfach mal nach Berlin. Dort regiert eine rot-rot-grüne Koalition. Und sie wird sehr wahrscheinlich weiter regieren. Doch was in der deutschen Hauptstadt in Sachen Bildung in den vergangenen Jahren passiert ist, war eine reine Horror-Show. Doch damit nicht genug. Jetzt sollen ausgerechnet die Schulen 47 Millionen Euro einsparen, meldet die RBB-"Abendschau". 

Sachsen schafft mit weniger Geld pro Schüler mehr

Berlin gibt bundesweit das meiste Geld pro Schüler aus. Tja. Genug Geld für Bildung hatten wir hier immer. Auch wenn es nicht unser eigenes war. 10.400 Euro hat Berlin pro Schüler ausgegeben. Doch die Ergebnisse sind desaströs. Sachsen schafft es mit 7800 Euro in allen bundesweiten Leistungstests vorne zu liegen, die Hauptstadt muss nachsitzen.

Vor der Wahl wurde ein prominent besetztes Gremium einberufen, dass die Anstrengungen zur Verbesserung des Berliner Bildungssystems überwachen sollte. Viele Eltern schöpften Hoffnung. Seit der Wahl ist nichts mehr davon zu hören. Wieder nur die üblichen Gemeinplätze, mit denen wir seit Jahren ruhig gestellt werden. Mehr Investitionen, mehr Chancengleichheit und weg mit den stinkenden Toiletten. Aber außer ein paar Ankündigungen und noch mehr Ideologie passiert leider – nichts. Es stinkt weiter. 

Geld für den Digitalpakt wird nicht abgerufen

Auch in dem gemeinsamen Sondierungspapier von SPD, Grünen und FDP findet sich zur Bildungspolitik bislang wenig. Ja, es gibt derzeit ein Programm mit dem schönen Namen "Aktionsprogramm: Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche." Zwei Milliarden werden hier vom Bund zur Verfügung gestellt. Hoffentlich ruft jemand die Gelder ab. Beim sogenannten Digitalpakt (6,5 Milliarden Euro) klappt das nur sehr schleppend bis gar nicht. Erst ein Achtel der Mittel ist abgeflossen. Digital? Total egal!

Die Schüler in Deutschland haben die Corona-Zeit durchlitten. Mit Verletzungen an Leib und Seele. Es gibt sehr viel nachzuholen. Da wäre es doch an der Zeit, eine Bildungsoffensive zu starten, die mehr zu bieten hat als wolkige Versprechen, dass "soziale Ungleichheiten abgebaut" werden sollen und Gelder, die niemand abruft.

Schulen brauchen Bildungsoffensive

Ja, klar. Schulen sind Ländersache. Danke für diese Weisheit. Auch im Namen meiner Kinder. Wie wäre es, wenn Deutschland jetzt verkrustete Strukturen aufbricht, neue Wege geht und endlich mal in die Hufe kommt? Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Und viele Institutionen und Firmen wären bereit, Teil einer echten Bildungsoffensive in Deutschland zu sein. Auch Annalena Baerbock von den Grünen hat das vorgeschlagen. Aber was die Grünen in Berlin derzeit abliefern, ist leider einmal mehr genau das Gegenteil.

tkr

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