Bremer Fall Kevin Ministerien drücken aufs Tempo


Nach dem Tod des kleinen Kevin wollen die Bundesministerien für Justiz und Familie die Hilfe für vernachlässigte Kinder beschleunigen. Familiengerichtliche Maßnahmen sollen erleichtert, ein Frühwarnsystem eingeführt werden.

Nach dem Tod des zwei Jahre alten Kevin in Bremen will das Bundesjustizministerium mit Expertenhilfe die Situation vernachlässigter Kinder verbessern. "Wir haben eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die untersucht, wie man vernachlässigten Kindern schneller helfen kann", sagte Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) der "Berliner Zeitung". Fachleute prüften, wie familiengerichtliche Maßnahmen erleichtert werden können. "Noch in diesem Jahr werden sie ihren Bericht vorlegen und dabei auch Vorschläge unterbreiten, wie die Zusammenarbeit und der Informationsfluss zwischen allen beteiligten Stellen verbessert werden kann", sagte die Ministerin.

Der kleine Kevin war tot im Kühlschrank seines drogensüchtigen Vaters gefunden worden. Die Bremer Sozialsenatorin Karin Röpke hatte dafür die politische Verantwortung übernommen und war zurückgetreten. Kevin hatte unter Amtsvormundschaft gestanden. Der Stadt lagen nach Angaben von Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) schon Monate vorher Hinweise auf den Fall vor. Der Tod des Jungen soll nach dem Willen von SPD, CDU und Grünen von einem Untersuchungsausschuss der Bremer Bürgerschaft untersucht werden.

Von der Leyen: Frühwarnsystem schon im November

Das von der Bundesregierung geplante Frühwarnsystem zur Unterstützung vernachlässigter und misshandelter Kinder soll noch in diesem Jahr starten. Wie Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) in der ZDF-Sendung "Berlin Mitte" sagte, soll das System zunächst in Norddeutschland greifen. "Wir werden im November so weit sein, dass wir in Norddeutschland in den ersten fünf Städten ein solches Netz aufbauen können", kündigte die Ministerin an. Anfang nächsten Jahres sollen dann Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und Thüringen folgen. Bei dem Frühwarnsystem gehe es nun darum, die Abstimmung zwischen den Institutionen so zu organisieren, dass gefährdete Kinder "nicht in einem Vakuum" zwischen den Verantwortlichen landen.

Mit dem Aufbau eines solchen Frühwarnsystems habe ihr Ministerium "sofort mit der Regierungsübernahme" begonnen, so die Ministerin. Ziel sei es, Kinder aus gefährdeten Familien "von Anfang an nicht allein zu lassen". Die Eltern des kleinen Kevin in Bremen hätten "vom ersten Tag an nicht allein gelassen werden dürfen mit dem Kind", so die Ministerin. Von der Leyen hatte am selben Tag vor dem Hintergrund der Bremer Tragödie angekündigt, zehn Millionen Euro in ein Frühwarnsystem investieren zu wollen.

Reuters/DPA DPA Reuters

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