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Bundespräsidentenwahl Jetzt geht es um Merkel


Wer hätte das gedacht? Der schwarz-gelbe Kandidat Christian Wulff ist im ersten Wahlgang durchgefallen. Bestätigt sich das Ergebnis auch in der zweiten Runde, wackelt die Koalition. Es geht nicht mehr um Wulff, die Regierung Merkel steht auf dem Spiel.
Von Florian Güßgen

Vergessen Sie Twitter! Vergessen Sie, was die ARD umständlich aus dem "Twitternetz" (Ulrich Deppendorf, ARD) berichtet. Die Wahrheit kommt nur von, ja, Bundestagspräsident Norbert Lammert. Über Twitter war Minuten vor der Verkündung des Ergebnisses des ersten Wahlgangs zur Wahl des neuen Bundespräsidenten gemeldet worden, Christian Wulff, der schwarz-gelbe Kandidat hätte Schloss Bellevue schon beim ersten Wahlgang erobert. Die Wahrheit tat dann aber Lammert kund: 600 Stimmen für Wulff, oh, 499 für Joachim Gauck, 126 für die Linke Lukrezia Jochimsen. Dieses Ergebnis ist eine erste Klatsche für CDU-Chefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel - und eine Überraschung. Das Ergebnis zeigt: Diese Bundespräsidentenwahl ist wie keine zuvor eine Abstimmung über die Regierung.

Man muss sich das vergegenwärtigen: 644 schwarz-gelbe Mitglieder hat die Bundesversammlung, von diesen haben 44 nicht für Wulff gestimmt, für den Kandidaten Merkels und ihres Koalitionskompagnons Guido Westerwelle. 44 Stimmen gegen die eigene Regierung, 44 Misstrauensbeweise. Wie groß muss der Ärger in der Union über die schwarz-gelbe Stümperei sein, dass Delegierte einen derartigen Harakiri-Kurs riskieren? Vor der Abstimmung war über Abweichler diskutiert worden, verbal hatten die Merkel-Hintermänner für den Fall der Fälle schon beschwichtigt. In der Wirklichkeit hat diese Klatsche dennoch eine größere Wucht als vermutet.

War dies nur der erste Streich?

Aber es kann sein, dass dies nur der erste Streich war. Belassen es die Abweichler nicht bei diesem ersten Denkzetteln, beharren sie auch im zweiten Wahlgang auf ihrem Votum, dürfte die zweite Ohrfeige Merkel schon ins Taumeln bringen. Und dann käme es darauf an: Was macht die Linke? Hält sie an Jochimsen fest ? Oder ringt sie sich in einem dritten Wahlgang dazu durch, für den ungeliebten Kandidaten Gauck zu stimmen?. Dessen Wahl würde dieser Regierung Merkel mit großer Wahrscheinlichkeit in eine existenzielle Krise stürzen. Merkel wäre die Kanzlerin, die ihren Bundespräsidentschaftskandidaten nicht durchgebracht hätte.

Es wird also überraschend eng. Mit drastischen Worten, darf man annehmen, werden die Fraktionen von Union und FDP nun erneut eingenordet. Es geht nun nicht mehr um den Kandidaten Wulff. Es geht, und daran gibt es nach diesem ersten Wahlgang keinen Zweifel mehr, um die Regierung von Angela Merkel.


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