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Bundeswehr grotesk: Die Monsterbehörde und das Projekt "Strickmütze"

Ein internes Gutachten prangert Misswirtschaft und Schönfärberei bei der Bundeswehr an. Der verschlungene Beamtenapparat macht selbst aus der Beschaffung einer Strickmütze einen absurden Vorgang.

Von Franziska Reich und Hans-Martin Tillack

Wer die Bundeswehr verstehen will, muss die Strickmütze kennen. Am 31. August 2011 erteilt das Bundesamt für Wehrverwaltung unter Az 79-40-60 "Die Änderungsgenehmigung (ÄG) mit Genehmigung zur Nutzung (GeNu) für die Strickmütze". Das Projekt "Strickmütze" ist der Systemfähigkeitsforderung (SFF) "Bekleidung und persönliche Ausrüstung" zugeordnet, Kategorie "Unterstützung und Durchhaltefähigkeit".

Die Truppe hatte sich über die alte Mütze beschwert, zu nass, zu kalt, eine blöde Mütze. Und so war am 18. Dezember 2008 die "Anforderung zur Änderung" gestellt, in Umlauf gebracht, bewertet und am 14. Juli 2009 der "Auswertung Einsatzprüfung" unterzogen worden. Die Beamten definierten den Verwendungszweck wie folgt: "Die Strickmütze dient als Wechselmütze zur Feldmütze, Tarndruck, Winter. Sie soll als Kälteschutz für den Kopf dienen, wobei auch die Ohren abgedeckt werden sollen." Nach Prüfung verschiedener Lösungswege kamen die Beamten zu dem Schluss, dass eine Produktverbesserung "zeitaufwändig und unwirtschaftlich" sei.

Damit entschied man sich, immerhin, gegen die Neuentwicklung einer weltbesten Supermütze in Eigenregie. Anders als bei Schützenpanzer oder Mückenschutz beschritten die Beamten hier den pragmatischen Weg. Nach Prüfung definierten sie die blöde Mütze als "obsolet" und attestierten – wiederum nach Prüfung – einem herkömmlichen Zivilistenmodell die Eignung. Einzige Änderung: "Die Schnittkonstruktion wurde zur besseren Kompatibilität mit dem Gefechtshelm geringfügig angepasst".

Drei Jahre nach dem ersten Antrag konnte der Abteilungsleiter RD 8 die Genehmigung unterzeichnen.

Der Vorgang "Strickmütze" erzählt im Kleinen, warum im Großen #link;2145189;so viel kaputt ist in der Bundeswehr#. Er erzählt von Akribie und Amtsschimmel, von endlosen Vorgängen und endloser Umständlichkeit. Er erzählt von der Sehnsucht eines Riesenapparates, alles richtig zu machen – oder zumindest möglichst wenig falsch. Diese Sehnsucht ist wertvoll, wenn es um Leben und Tod geht. Bei einer Strickmütze geht es um warme Ohren.

Die ganze Geschichte über die Monsterbehörde Bundeswehr ...

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Von:

und Franziska Reich