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Café Einstein: "Die Dämonisierung der Kernkraft ist vorbei"

Die ganze Welt liebäugelt wieder mit der Kernenergie, nur die Deutschen sträuben sich. Noch. Denn auch hierzulande scheint sich die Stimmung zu drehen. Im "Café Einstein"-Video-Interview von stern.de analysiert Forsa-Chef Manfred Güllner den Meinungswandel und dessen Gründe.

Mehr als 20 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl freunden sich die Deutschen offenbar wieder mit der Atomenergie an. "Wir sehen, dass die Dämonisierung der Kernkraft vorbei ist", sagte Forsa-Chef Manfred Güllner stern.de im Video-Interview im Café Einstein. Die abschreckende Wirkung des Reaktorunfalls im ukrainischen Tschernobyl im Jahr 1986 habe nachgelassen. Mittlerweile stehe wieder die Angst vor einer mangelnden Energieversorgung im Vordergrund. "Vor Tschernobyl hatte man Angst, dass man im Kalten und im Dunkeln sitzt. Nach Tschernobyl hatte man Angst, dass so ein Atommeiler einem um die Ohren fliegt. Jetzt haben die Leute wieder Angst, ob genügend Energie da ist oder ob sie diese bezahlen können", so Güllner.

Seit dem Tschernobyl-Unfall habe es eine "stabile Meinungstruktur" für den Ausstieg aus der Kernenergie gegeben. "Jetzt beginnen die Ersten darüber nachzudenken, ob man die Kernkraft nicht doch weiter in einem Energiemix weiter braucht", sagte der Chef des Meinungsforschungsinstituts.

In der jüngsten Forsa-Umfrage für den stern sprechen sich 46 Prozent der Bürger für eine Verlängerung der Laufzeit der Atomkraftwerke in Deutschland aus. Allerdings entzweit die Frage die Deutschen: Ebenfalls 46 Prozent wollen, dass sämtliche Kernkraftwerke wie im Atomkonsens vorgesehen bis zum Jahr 2021 abgeschaltet werden.