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Castor-Transport: Hunderte Atomkraftgegner besetzen Straßen rund um Gorleben

Die Castorbehälter werden in Dannenberg auf die Weiterfahrt vorbereitet. Noch knapp 20 Kilometer trennen die hochradioaktive Ladung vom Zwischenlager Gorleben - das traditionell schwierigste Wegstück steht also noch bevor.

Nach rund fünf Tagen voller Proteste ist der 13. Castortransportmit hochradioaktivem Müll nach Gorleben am Montag für seine letzte Etappe vorbereitet worden. In der Verladestation in Dannenberg hob ein Kran die elf Behälter nach und nach vom Zug auf Lastwagen, um sie die 19 Kilometer in das Zwischenlager Gorleben zu fahren. Hunderte Atomkraftgegner blockierten Straßen im Wendland und erwarteten eine Räumung durch die Polizei.

Der Zug mit den Castoren aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague hatte am Montagmorgen nach rund 110 Stunden die Verladestation Dannenberg im Wendland nahe Gorleben erreicht. Damit ist der Transport schon vor Erreichen seines Ziels so lange unterwegs wie keiner vor ihm. Den bisherigen Spitzenwert hielt der Castor von 2010, der für die Strecke 92 Stunden benötigte.

Nahe des Zwischenlagers in Gorleben versammelten sich bis Montagnachmittag nach Angaben der Anti-Atom-Initiative X-Tausendmalquer rund 1600 Demonstranten zu einer Straßenblockade. Einem Polizeisprecher zufolge waren es etwa 500. Die Stimmung vor Ort sei "friedlich und ausgelassen", sagte er. Bauern aus der Umgebung hätten kurz hinter Dannenberg bei Splietau zudem mit 25 Traktoren eine der zwei möglichen Strecken versperrt, die die Lkw nach Gorleben nehmen können.

Ende der Umladeaktion für den Nachmittag erwartet

Die selbe Straße wurde den Angaben zufolge einige Kilometer weiter bei Klein Gusborn auch von vier Greenpeace-Aktivisten blockiert, die sich im Inneren eines Kleintransporters im Asphalt verankert hatten. Mit einer ähnlichen Aktion hatte die Umweltschutzorganisation die Castoren 2010 stundenlang aufgehalten. Die Einsatzleitung der Polizei stellte sich nach eigenen Angaben auf einen schwierigen letzten Abschnitt ein. Er rechne mit "intelligenten Blockaden", sagte der Polizeipräsident von Lüneburg, Friedrich Niehörster, in Dannenberg.

Wann genau der Konvoi mit den Tiefladern in Dannenberg losfahren wird, war zunächst unklar. Atomkraftgegner erwarteten das Ende der Umladeaktion für den Nachmittag. Zuvor sei damit zu rechnen, dass die Polizei die Straßenblockaden auflöse, teilte X-Tausendmal quer mit. Die Betreiberfirma des Zwischenlagers, die Gesellschaft für Nuklear-Servive (GNS), hatte für das Verladen der elf je rund 120 Tonnen schweren Castoren rund 15 Stunden veranschlagt. Bis zum Mittag waren nach Angaben von Beobachtern neun Castoren verladen worden.

Der Castor-Transport ist der 13. in das umstrittene Zwischenlager Gorleben und der zwölfte, der aus La Hague kommt. Er war am Mittwoch gestartet, aber durch massive Proteste aufgehalten worden. Eine Gleisblockade von Aktivisten der sogenannten Bäuerlichen Notgemeinschaft kurz vor Dannenberg war in der Nacht zum Montag erst nach 14 Stunden durch eine freiwillige Aufgabe der Atomgegner zu Ende gegangen. Der Polizei war es nicht gelungen, das Gebilde aus Beton zu zerstören, in dem die Arme der drei Männer und einer Frau steckten.

Polizei weist Vorwürfe zurück

Für Streit sorgte der Vorwurf von Atomkraftgegnern und einigen Politikern, die Polizisten seien unverhältnismäßig hart gegen Demonstranten vorgegangen. Grünen-Bundeschefin Claudia Roth hatte am Wochenende von einem "Anschlag auf die Demokratie" gesprochen. Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, wies dies zurück. Beamte hätten von "mildesten Einsatzmitteln" Gebrauch gemacht, sagte er am Montag dem Fernsehsender N24.

hw/AFP / AFP