HOME

CDU-Hoffnung McAllister: Jetzt darf Wulffs Darling ran

Christian Wulff will sich auf seinen Job als CDU-Vize konzentrieren. Deshalb darf in der niedersächsischen CDU nun Wulff-Freund und Jungstar David McAllister die Führung übernehmen. Starke 98,9 Prozent der Stimmen erhielt der 37-jährige auf einem Landesparteitag in Celle. Ein Porträt des Mannes, der Wulff auch gefährlich werden könnte.

Von Hans Peter Schütz

Wer ist der Liebling der niedersächsischen CDU? Seit dem CDU-Landesparteitag jetzt in Celle und dem fulminanten Ergebnis, mit dem David McAllister zum neuen CDU-Vorsitzenden gewählt worden ist, weiß es jeder. Christian Wulff, der CDU-Ministerpräsident des Landes, hat das schon viel früher gewusst. Schon vor fünf Jahren sagte er über seinen Freund David: "Der ist längst der Liebling der Partei."

McAllister kann auf eine Karriere mit Seltenheitswert zurückblicken. Mit 32 Jahren wurde der heute 37-Jährige CDU-Generalsekretär in Niedersachsen, mit 33 Chef der CDU-Landtagsfraktion, und jetzt Boss der CDU im Lande. Das hat Perspektive für weiteren Aufstieg: Alles spricht dafür, dass dieser McAllister eines Tages auch Christian Wulff als Ministerpräsidenten beerben dürfte. Natürlich sagt keiner auch nur andeutungsweise wann. Das wäre viel zu gefährlich - für Wulff.

Ein historisches Rollenspiel

Unverzüglich würde ihm wieder die Frage gestellt, ob er sich denn jetzt endgültig aus der Landespolitik zu verabschieden gedenke. Ob denn Berlin jetzt voll das Ziel seines politischen Ehrgeizes sein werde. Nach dem Rücksturz von Roland Koch in die Rolle eines nur noch geschäftsführenden Ministerpräsidenten in Hessen ohne Mehrheit, steht Wulff ohnehin als Kronprinz hinter Angela Merkel fest, mit der ihn allerdings ein eher distanziertes Verhältnis verbindet.

Die Antwort des Duos Wulff/McAllister: "Wir wollen als Tandem die Landtagsperiode 2013 bis 2018 in den Blick nehmen." Und Wulff bekräftigte, er bleibe auch über 2013 hinaus auf Niedersachsen fixiert. Das knüpft ganz bewusst an einem Vorbild in der niedersächsischen Politik an: Dort kooperierten einst über viele Jahre hinweg der CDU-Ministerpräsident Ernst Albrecht und der CDU-Vorsitzende Wilfried Hasselmann bundes- und landespolitisch aufs engste.

CDU-Mitgliedschaft als Geburtstagsgeschenk

Einen Stilwechsel wird es mit dem neuen Traum-Duo allerdings schon geben in Niedersachsen. Wulff ist in seinen 14 Jahren an der Spitze der CDU und der Amtszeit als Ministerpräsident zunehmend ein präsidial amtierender Landesvater geworden. Das konnte er sich leicht leisten. Denn sein Vertrauter McAllister gab für ihn den politischen Raufbold im Lande, den rednerischen Kraftmann, der keinem Streit auswich und jedes Bierzelt unverzüglich zum Kochen brachte. Sie lieben ihn als ihren Schützenkönig im Schottenrock.

Denn der Niedersachse McAllister ist zwar in Berlin geboren. Sein Vater war aber der Schotte James, der seine deutsche Liebe Mechthild beim Sprachunterricht für britische Soldaten kennen gelernt und alsbald geheiratet hatte. Die Eltern haben ihm mit 17 die CDU-Mitgliedschaft geschenkt, weil er sie von seinem knappen Taschengeld nicht hätte bezahlen können.

McAllister – der Mann hinter Wulffs Erfolgen

Im niedersächsischen Landtag wie an den politischen Theken in Niedersachsen ist er allemal und überall präsent. So intensiv, dass Wulff ihn zuweilen ermahnt, er möge doch ab und an etwas früher zu Bett gehen. Immerhin hat McAllister an den Mittwochen versucht, von zuhause aus zu arbeiten. Dann entlastete er seine Ehefrau Dunja, die er vor 17 Jahren kennen gelernt und dann vor drei Jahren geheiratet hatte, bei der Betreuung ihrer zwei Mädchen. "Wenn ich zuhause bin, wechsle ich die Windeln und bringe die Mädchen in der Kindergarten", lobte er sich schon mal selbst.

Spannungsfrei war die Beziehung zwischen Wulff und McAllister trotz der engen Freundschaft, die sie verbindet, nicht immer. Zu sehr zog es Wulff zuweilen auf die politische Szene in Berlin. Zu oft war er stärker mit politischen Auseinandersetzungen über den CDU-Kurs unter Angela Merkel beschäftigt als mit der CDU in Niedersachsen. Zu lasch und lahm schien der Ministerpräsident im Lande in den Augen seines Fraktionsvorsitzenden zu agieren. Wenn Wulff jetzt zu seinem Abschied betonte, die CDU habe "eine Stellung im Land, um die uns viele zurecht beneiden", so dankt er dies zu erheblichen Teilen McAllister. Der musste nicht selten den Unmut beiseite räumen, den Wulff mit politischen Kapriolen im CDU-Bundesvorstand oder mit Kritik am Kurs von Kanzlerin Angela Merkel angerichtet hatte.

Eine starke Stimme für Berlin

Wo genau McAllister in der CDU politisch steht, ist nicht eindeutig. Konservative Unionisten versuchten vergangenes Jahr, ihn als bekennenden Konservativen der Öffentlichkeit zu verkaufen. Dieser Umarmungstaktik entzog er sich. Den eigenen Standort definiert er vielschichtig: "Ich bin bürgerlich, pragmatisch und praxisorientiert." Der niedersächsische Regierungssprecher Glaeseker nennt ihn einen "Mann der Mitte." Das Wörtchen "konservativ" akzeptiert McAllister nur in einem Punkt: Er würde in jedem Fall stets die FDP als Koalitionspartner vorziehen. Kein Zufall, dass er mit dem niedersächsischen FDP-Vorsitzenden Philipp Rösler eng befreundet ist. Der kommt auch nicht aus Niedersachsen, sondern ist vietnamesischer Abstammung und sitzt im Präsidium der FDP-Bundespartei. Und ist obendrein auch gut Freund mit Wulff.

"Völlig gaga" nennen Wulff-Vertraute den Verdacht, ihr Ministerpräsident habe den Vorsitz nur abgegeben, um mehr Zeit für die Bundespolitik und gegen die Kanzlerin zu haben. Wulff wolle nicht nach Berlin, sondern "macht Berlin von Hannover aus." Dafür nennt er ein zentrales Defizit der CDU im Bund: Wer ist eigentlich noch der wirtschaftspolitische Sprecher nach Friedrich Merz? "Er ist bereit mitzuhelfen, dass Mutti Merkel im nächsten Jahr eine schwarz-gelbe Mehrheit bekommt." Mutti, das sei durchaus liebevoll gemeint. Aber man brauche in der Wirtschaftspolitik auch ein paar Gesichter, deren Stimme Gewicht hat. Wulff eben, zum Beispiel. Der vertrete wenigstens noch CDU-Positionen pur.