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Kandidatur als CDU-Vize "Eigenständige Akteurin", nicht bloß "Garnitur": Karin Prien liest den weißen CDU-Männern die Leviten

Könnte künftig eine der starken Frauen in der CDU werden: Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien
Könnte künftig eine der starken Frauen in der CDU werden: Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien
© Christoph Soeder / DPA
Laschet-Nachfolge ungeklärt, zu wenig Frauen in der Führung, Probleme mit der Diversität: Die CDU hat Mühe, im 21. Jahrhundert anzukommen. Eine, die das nun ändern will, ist Karin Prien. Die Bildungsministerin aus Schleswig-Holstein kandidiert als stellvertretende Parteivorsitzende. Wer ist die Frau?

Merz, Röttgen, Brinkhaus, jetzt auch noch Helge Braun … Die Liste der männlichen Kandidaten für die Nachfolge von Armin Laschet als CDU-Vorsitzender ist lang. Was auffällt: Niemand von den weißen Männern aus NRW wagt sich bislang aus der Deckung. Bis zum 17 November läuft die Bewerbungsfrist. Doch in der Frage des Parteivorsitzes ruht der See nach wie vor still.

Immerhin: In die Riege der möglichen Stellvertreterinnen und Stellvertreter ist inzwischen Bewegung gekommen. Die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien hat ihre Kandidatur als stellvertretende CDU-Chefin angekündigt. "Ich will meine Erfahrungen und Perspektiven gerne in das neue CDU-Präsidium einbringen. Deswegen werde ich auf dem Parteitag als stellvertretende Parteivorsitzende kandidieren", sagte Prien, die seit Januar dem CDU-Bundesvorstand angehört, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Eine Kandidatur für die Nachfolge von Parteichef Armin Laschet lehnte sie hingegen ab. Die CDU will auf einem Parteitag am 21./22. Januar in Hannover als Konsequenz aus der krachenden Wahlniederlage eine neue Führung wählen, dazu zählen auch fünf stellvertretende Parteivorsitzende.

Sie wolle sich voll bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 8. Mai einbringen, damit die CDU um Ministerpräsident Daniel Günther wieder gewinne, sagte Prien zur Begründung, warum sie nicht gleich nach dem Spitzenposten greift. "All das kann man nicht nebenbei machen. Die Partei zu führen erfordert in dieser Situation ein Maß an Einsatz und Aufmerksamkeit, das man nicht leisten kann, ohne die anderen Dinge zu vernachlässigen." Zudem habe sie Lust, weiterhin Ministerin in Schleswig-Holstein zu sein. Zugleich betonte Prien: "Die Union muss im Bereich Bildung und Forschung wieder den Anspruch haben, die entscheidenden Impulse zu geben. Neben dem Klimaschutz und der Digitalisierung ist das das Zukunftsthema."

Prien gilt als liberal und meinungsstark

Prien gilt in der CDU als meinungsstarke Vertreterin des liberalen Flügels. Seit 2017 ist sie Landesministerin in Schleswig-Holstein. Geboren wurde sie 1965 in Amsterdam, wohin ihre jüdischen Großeltern emigriert waren. Prien engagiert sich auch im Jüdischen Forum in der CDU, in die sie 1981 eingetreten ist. Der glücklose Vorsitzende Armin Laschet holte Prien in der Endphase seines Wahlkampfs in sein Zukunftsteam. Aufsehen erregte sie jüngst mit ihrer deutlich vorgetragenen Kritik an dem ehemaligen Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen, dessen Bundestagskandidatur für die Südthüringer CDU sie mit den Worten kommentierte, "was Herr Maaßen eigentlich in der CDU sucht".

Dezidiert äußert sich die 56-jährige Bildungspolitikerin auch zu den derzeitigen Bemühungen der gehandelten männlichen Kandidaten, geeignete Frauen in ihr Team zu holen: "Ich finde es kurios, dass es gerade nur noch darum zu gehen scheint, dass sich einzelne Kandidaten mit einer Schar weiblicher Mitstreiterinnen umgeben, die dann aber eher als Garnitur rüberkommen", so Prien. Dies sei nicht ihr Selbstverständnis. Sie nehme für sich in Anspruch, eigenständige Akteurin zu sein. "Es geht für die CDU um mehr als um die Frage, wie die Herren aus NRW zu ihrem Recht kommen."

Neben Prien werden inzwischen auch weitere Frauen als Bestandteil der zukünftigen Parteispitze gehandelt. Die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth hatte am Wochenende ausdrücklich Parteifreundinnen ermuntert, für den Parteivorsitz zu kandidieren. "Wenn keine Frau antritt, wäre das kein gutes Zeichen", sagte Süssmuth dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Und brachte eben Prien, aber auch die bisherigen Staatsministerinnen Annette Widmann-Mauz und Monika Grüters ins Spiel.

Und auch andere Frauen werden sich gerade vermutlich ihre Chancen ausrechnen, in der künftigen CDU-Spitze eine wichtige Rolle zu spielen. Die erst vor zwei Jahren zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählte Niedersächsin Silvia Breher dürfe erneut antreten wollen. Auch die bisherige stellvertretende Fraktionschefin und Digitalpolitikerin Nadine Schön aus dem Saarland gilt als Talent mit Zukunft. Genauso wie die frisch in den Bundestag eingezogene Serap Güler, sie war Staatssekretärin für Integration in Laschets NRW-Kabinett.

kng/mit Agenturen

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