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Eindämmung der Corona-Pandemie Die Kitas bleiben weiter zu – warum Mütter darunter meist mehr leiden als Väter


Die Corona-Notbetreuung für Kinder wird ausgeweitet, das entlastet manche Eltern. Aber viele müssen sich weiter rund um die Uhr um ihren Nachwuchs im Kita-Alter kümmern. Eine echte Nervenprobe – die Mütter noch härter treffen könnte als Väter.

Zigtausend Eltern in Deutschland haben wohl leise oder auch laut geseufzt, als sie erfuhren: Die deutschen Kitas bleiben erst mal zu. Vielleicht lagen die Kleinen da schon im Bett, vielleicht turnten sie noch durchs Wohnzimmer und wollten beschäftigt werden von Müttern und Vätern, die eigentlich arbeiten müssten oder etwas Ruhe bräuchten. Nun soll das öffentliche Leben schrittweise wieder anlaufen, Schulen und kleinere Geschäfte nach und nach wieder öffnen. Die Kitas nicht – auch wenn nun mehr Eltern als bisher einen Anspruch auf die sogenannte Notbetreuung für ihre Kinder bekommen.

Welche genau? Da müssen Betroffene sich bei ihren Landesregierungen informieren - denn eine bundesweit einheitliche Linie kam bei Beratungen von Familienministerin Franziska Giffey (SPD) mit ihren Länderkollegen nicht heraus. Einige Länder haben schon angekündigt, Alleinerziehende und neue Berufsgruppen in die Liste aufzunehmen. Teils soll es auch reichen, wenn ein Elternteil in einem sogenannten systemrelevanten Beruf arbeitet. 

Rund 160.000 Kita-Kinder brauchen derzeit Notbetreuung

Grundsätzlich geht es vor allem um Eltern, die an ihrem Arbeitsplatz dringend gebraucht werden, und um Kinder bis zur 6. Klasse. Für die schrittweise Öffnung nach dem 3. Mai soll nun ein Konzept erarbeitet werden. Wann das zum Tragen kommt, ist aber offen. 

Der Corona-Studie der Universität Mannheim zufolge arbeitet mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer weiterhin vor Ort. Ein gutes Viertel ist demnach im Homeoffice – vor allem solche mit hohem Bildungsabschluss und gutem Verdienst. 

Wie viele Kinder aktuell notbetreut werden, variiert nach Angaben des Familienministeriums zwischen den Bundesländern, aber auch zwischen Städten und ländlichen Räumen. Ende März sei man bundesweit von etwa 160.000 Kindern ausgegangen, sagt eine Sprecherin – im Vergleich zu rund 3,7 Millionen Kindern, die regulär in Kitas, Kindertagespflege und Horten betreut werden. Die Zahl werde nach den Osterferien mit den neuen Regelungen steigen.

Das heißt umgekehrt: Mehr als 3,5 Millionen jüngere Kinder waren zu Hause, und das ohne Spielplätze oder Treffen mit Nachbarskindern, jedenfalls, wenn die Familien sich an die Regeln hielten. Schwierig für Eltern - schwierig vor allem für Mütter? Darauf gibt es Hinweise. Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) hat über eine Online-Umfrage Daten erhoben. Repräsentativ sind sie nicht, das sagen die Wissenschaftler offen – aber es deuten sich Tendenzen an.

Frauen tragen oft die Hauptlast der Kinderbetreuung

"Eltern haben im Moment zwei Jobs gleichzeitig auszuführen – ich glaube nicht, dass man das noch ein halbes Jahr lang aufrecht erhalten kann, sagt Mareike Bünning, die an der Befragung beteiligt war. Die große Sorge sei, dass es "wieder die Frauen sind, die beruflich kürzer treten". Der Umfrage zufolge arbeiten Mütter seltener als Väter weiterhin im selben Stundenumfang wie vor der Krise, sie arbeiten auch häufiger gar nicht mehr. 

Und das ist nicht alles: Bei Frauen stieg die Angst vor Jobverlust etwas stärker als bei Männern. Die Zufriedenheit mit der Arbeit nahm bei Müttern stärker ab als bei Vätern – was daran liegen könne, dass sie oft die Hauptlast der Kinderbetreuung tragen müssten, vermuten die Sozialforscher. "Wir müssen davon ausgehen, dass sich das weiter verstärken wird", sagt Bünning. 

"Rolle rückwärts in die fünfziger Jahre" wegen Corona?

Drastischer schreibt es die britische Journalistin Helen Lewis, die gerade eine Geschichte des Feminismus veröffentlicht hat, im "Atlantic": Eine Folge des Virus werde sein, "viele Paare zurück in die 50er Jahre zu versetzen". 

Auch der Lobby-Verband Deutscher Frauenrat warnt vor einer "Rolle rückwärts in die fünfziger Jahre". Frauen verdienten oft weniger als ihr Mann und arbeiteten vor allem mit kleinen Kindern viel öfter in Teilzeit - und verzichteten daher eher auf den Job, wenn einer zurückstecken müsse. ""Indem sie Familien mit der Betreuungsfrage alleine lassen, konterkarieren die Verantwortlichen in der Corona-Krise alle Bemühungen der vergangenen Jahre zu besserer Vereinbarkeit von Familie mit Beruf und höherer Müttererwerbstätigkeit", sagt die Vorsitzende Mona Küppers.

Zwei Mütter mit ihren Kindern auf dem Spielplatz
Oft sind es die Mütter, die die Hauptlast der Kinderbetreuung tragen – auch und gerade in Zeiten von Corona.
© Daniel Reinhardt / Picture Alliance

Kein Wunder, dass die Empfehlung der Nationalakademie Leopoldina, für jüngere Kinder bis zu den Sommerferien nur auf Notbetreuung zu setzen, bei vielen schlecht ankam.

Für Spott sorgte, dass in der 26-köpfigen Professoren-Arbeitsgruppe je drei Mitglieder Jürgen und Thomas heißen - aber gerade mal zwei Frauen dabei sind.

mik / Teresa Dapp DPA

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