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"Rassenkrieg"-Rede: BRD als "asoziale antideutsche Diktatur" bezeichnet – das sind "Thügida" und Gründer David Köckert

Sein Name taucht mehrfach in den Berichten des Verfassungsschutzes auf. David Köckert, der "Rassenkrieg"-Redner von Köthen ist einer der bekanntesten Rechtsextremen des Landes.

Demo in Köthen: Thügida-Chef spricht vom "Rassenkrieg gegen das deutsche Volk"

"Und zwar ist es Krieg und das kann man wirklich so sagen. Ein Rassenkrieg gegen das deutsche Volk, was hier passiert und dagegen müssen wir uns wehren. Wollt Ihr weiterhin die Schafe bleiben, die blöken, oder wollt Ihr zu Wölfen werden und sie zerfetzen?"

Es sind Worte, mitten in Deutschland auf offener Straße ins Mikrofon gerufen, die für Entsetzen sorgen – auch die Justiz interessiert sich für die Rede des Mannes, der in Köthen blanken Hass ins Zentrum der thüringischen Kreisstadt brachte, anstatt um den toten 22-Jährigen zu trauern.

Wer ist der Mann, der in aller Öffentlichkeit unter dem Gejohle und Geklatsche der Umstehenden in Köthen von einem " gegen das deutsche Volk" sprach?

David Köckert, Jahrgang 1979, Rechtsextremist

aus dem thüringischen Greiz, Jahrgang 1979, bekannter Rechtsextremist, Familienvater. Sein auffälligstes Merkmal: die großflächigen Tätowierungen im Gesicht. Sie zeigen unter anderem die "Schwarze Sonne", ein nationalsozialistisches Symbol, das als Erkennungszeichen der rechtsextremen Szene gilt.

Köckert trägt seine Gesinnung nicht nur äußerlich auf der Haut zur Schau. Er proklamiert sie auch. In Köthen rief er auch ins Mikrofon: Polizisten seien "charakterlose Söldner", Journalisten gehörten der "asozialen antideutschen" Schweinepresse" an, Politiker seien "Verbrecher" und "Marionetten", das sind nur einige Auszüge seiner Rede bei der sogenannten Trauerveranstaltung. ("BuzzFeedNews" hat den gesamten Wortlaut der Rede hier aufgeschrieben.)

Demo in Köthen: Thügida-Chef spricht vom "Rassenkrieg gegen das deutsche Volk"

Der  liegen mehrere Anzeigen wegen des Verdachts der Volksverhetzung vor. Es wäre nicht das erste Mal, dass er deswegen verurteilt werden könnte. Immer wieder fällt Köckert mit scharfen Reden und fremdenfeindlichen Aktionen auf, sein Name fällt mehrfach in den Berichten des Verfassungsschutzes.

So ist er als Anmelder von Demonstrationen mit fremdenfeindlichen Tenor in Erscheinung getreten und tritt auf rechten Kundgebungen regelmäßig selbst ans Mikrofon, zum Beispiel während des Rechtsrockfestivals "Rock gegen Überfremdung" in Themar.

"Thügida"-Gründung und NPD-Mitgliedschaft

Anfang 2015 gründete Köckert laut Verfassungsschutzbericht den "Pegida"-Ableger "Thüringen gegen die Islamisierung des Abendlandes", kurz "Thügida". Die Gruppierung wird vom Inlandsgeheimdienst beobachtet und als "rechtsextremistisches Sammelbecken" eingestuft, in deren Umfeld sich unter anderem auch NPD-Mitglieder und Reichsbürger tummeln sollen. Später wurde Köckert auch Vorsitzender des angemeldeten Vereins "'Thügida' & Wir lieben Sachsen e.V." mit Sitz in Greiz.

Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes lehnt der Verein das demokratische System in Deutschland ab. "Die Bundesrepublik wird als 'asoziale antideutsche Diktatur' beschimpft, die Bundeskanzlerin in vielen Redebeiträgen der Vereinsführung als 'bucklige Brotspinne' bezeichnet", wird im 2017er-Bericht der Behörde vermerkt. "Köckert forderte nicht nur den Sturz der Kanzlerin, er griff auch auf nationalsozialistische Propagandamuster zurück, in denen der Wolf als Figur der germanischen Mythologie verwandt wurde", schreiben die Autoren unter Bezug auf ein Zitat Köckerts von einer Kundgebung in Apolda: "Ich will der Wolf sein, der dieses Rudel dahin führt und diese bucklige Brotspinne zur Hölle fahren lässt." Inzwischen ist Köckert vom Vereinsvorsitz zurückgetreten – die rechte Ideologie ist jedoch geblieben.

Die versucht der "Thügida"-Gründer auch in die Parlamente zu tragen. 2013 trat er laut Bericht von "Focus Online" in die AfD ein, wenig später aber wieder aus, um sich der rechtsextremen NPD anzuschließen. Dort stieg er zum Landesorganisationsleiter von Thüringen auf und saß im Stadtrat von Greiz, bis 2016 zunächst der Rücktritt als Landesorganisationsleiter, später dann der endgültige Austritt aus der Partei folgte. Seither macht Köckert als Parteiloser Kommunalpolitik.

2018 versuchte er, den Republikanern beizutreten. Deren thüringischer Landesvorsitzender lehnte einem Bericht der "Thüringer Allgemeinen" zufolge den Aufnahmeantrag ab. Er trage die Unterwanderung der Partei durch Neonazis nicht mit, erklärte Landesverbandschef Detlev Strauch dem Blatt.

Als Bürgermeisterkandidat abgelehnt

Auch eine Kandidatur als Bürgermeister in Greiz wurde abgelehnt. Es gebe Zweifel, ob er sich als Bürgermeister jederzeit für die freiheitlich demokratische Grundordnung einsetzen würde, so die Begründung des Wahlausschusses laut "Thüringischer Landeszeitung".

Vor seinem Auftritt in Köthen sorgte Köckert zuletzt im Juni für bundesweite Empörung. Auf dem Erfurter Fischmarkt inszenierte er eine angebliche Hinrichtung. "Zwei verkleidete Männer mit Masken auf den Köpfen greifen sich eine scheinbar unbeteiligte blonde Frau aus der Menge und zwingen sie, sich auf den Boden zu knien. Mit ständig wiederholten 'Allahu Akbar'-Rufen schneiden sie der Frau die Kehle durch. Das Opfer sackt zusammen. Künstliches Blut fließt", notierte der MDR. Köckert habe mit der Aktion gegen einen Moscheebau in der thüringischen Landeshauptstadt demonstrierten wollen. Es gab mehrerer Anzeigen, die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgenommen.

Für eine Posse sorgte Köckert 2015. Seinerzeit verhandelte das Verwaltungsgericht Gera die Frage, ob der SPD-Bürgermeister von Greitz dem damaligen NPD-Stadtrat bei dessen Verpflichtung den Handschlag verweigern durfte. Er durfte. Ein Handschlag sei "rechtlich nicht durchsetzbar", urteilte das Gericht.

Apropos Hände: Auch dort ist Köckert tätowiert. Wie Fotos auf seiner Facebookseite zeigen, prangen auf seinen Fingern die Zahlen 2, 0, 0, 4, 1, 8, 8 und 9. Der 20. April 1889 – der Geburtstag von Adolf Hitler.

+++ Lesen Sie zu den Ereignissen von Köthen hier den Kommentar: "Rechte Hetze auf offener Straße – warum uns diese Rede eine letzte Warnung sein sollte" +++

wue