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Der politische Abwasch der Woche Ein Amt für Gauck


Warum gibt es eigentlich keinen Bundesvizepräsidenten? Für den Fall, dass Christian Wulff mal müde ist oder so. Zeit für den Abwasch.
Von Axel Vornbäumen

Die Bundeskanzlerin ist ja heute bei unseren Jungs in Kapstadt. Und weil sich da die Vergleiche zwischen dem Fußball- und dem Politikbetrieb aber so was von anbieten, verzichten wir mangels ansprechender intellektueller Herausforderung sofort recht generös darauf. So ein Abwasch soll schließlich auch etwas Mühe machen. Und an den alten Championsleague-Metaphoriker Edmund Stoiber ("Die Bundesversammlung ist, äh, 5 zu, äh, Null im Elfmeterschießen gewonnen worden") kämen wir eh nicht mehr ran. Zeit genug deshalb, nun erstmal "Danke" zu sagen - und zwar an unseren Bundesvertretungspräsidenten Jens Böhrnsen.

Jens Wer? Böhrnsen. Aus Bremen.

Böhrnsen hätte in bundespräsidialer Verantwortung und aus Respekt vor Schweinsteiger, Müller und Klose sich einen ziemlich lauen Lenz am Kap machen können, eigentlich fast seine ganze Amtszeit über. Niemand hätte da murren dürfen, schon aus Angst nicht, dass dann womöglich gleich der nächste wieder pikiert hinschmeißt, wenn ihn einer vom politischen Fußvolk mal mit einem rauen Wort belegt. Doch Böhrnsen, der Bremer, war eisern in seiner Bescheidenheit. Ist daheim geblieben wie andere Bremer auch - wie Frings, zum Beispiel. Was der gerade wohl so macht? Egal.

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Der Steuerzahler im Tellerwäscher in uns sagt jedenfalls: Hut ab vor so viel Bescheidenheit. In den Bundestagsfraktionen ist so etwas nämlich eher nicht gang und gäbe. Da musste zum Teil wild gelost werden, weil immer nur einer die Kanzlerin ans Kap hat begleiten dürfen.

Böhrnsen übrigens, der Bundesvertretungspräsident, hat gestern im Reichstag mit sichtlicher Erleichterung seine Amtsbürde an den Niedersachsen Christian Wulff weitergereicht, der dann auch schon im zweiten Anlauf die Eidesformel ganz passabel in den Griff bekommen hat. Man sieht daran: Der neue Mann verbessert sich bereits. Zweiter Anlauf: das ist besser als bei seiner Wahl - und immerhin genauso gut wie bei Obama. Weil ja alles symbolisch ist in diesen Tagen, war es womöglich auch ein verstecktes Signal für die unverbrüchliche deutsch-amerikanische Freundschaft. Ein neuer Akzent, Marke: Jetzt ist aber auch mal wieder gut mit dem ganzen Afrika-Getue, Kinners!

Wulffs Vorgänger, Horst Köhler, der aus Respekt vor dem Amt selbiges neulich hingeschmissen hat..., nein, das war jetzt politisch nicht korrekt formuliert, wir müssen anders anfangen: Wulffs Vorgänger Horst Köhler übrigens, ist in der Abschiedslaudatio von Bundestagspräsident Norbert Lammert als "Bundestagspräsident" bezeichnet worden. Wahrscheinlich war das versteckte Kritik oder ein freudscher Versprecher oder so was, weil Lammert ja selber ganz gerne Bundespräsident geworden wäre, wenn man ihn denn nur genug dazu gedrängt hätte. Hat man aber nicht.

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Jochim Gauck übrigens ist von neuen Bundespräsidenten auch noch mal schön gewürdigt worden. Wulff hofft, das Gauck sich weiter mit seinen Reden über die Freiheit einbringt, vielleicht nicht ständig, aber manchmal, also gelegentlich, so an Jahrestagen oder so. Das ist ein schöner Vorschlag, aber beim Abwasch kommen einem ja oft die noch viel besseren Gedanken. Wie wäre es, wenn Wulff Gauck zum Bundesvizepräsidenten machte. Gauck könnte dann die Urlaubsvertretung übernehmen oder wenn Wulff mal krank ist oder die Kinder am Abend zuvor so genervt haben, dass man wieder nicht vernünftig in den Schlaf gekommen ist. Oder an Wochenenden oder an Weihnachten. Pastoral genug wäre Gauck da ja allemal.

Mit andren Worten: Christian Wulff könnte Geschichte schreiben mit einer außerordentlichen Versöhnungsleistung: An manchen Tagen hätte Angela Merkel den Mann ihres Herzens als Staatsoberhaupt!


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