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Der politische Abwasch der Woche: Westerwelle unter Kommunismusverdacht

Ein "Liberaler" zu sein, ist in den USA verdächtig, auch wenn es sich um Guido Westerwelle handelt. Das war nicht die einzige Sprachverwirrung dieser Woche. Zeit für den Abwasch.

Von Axel Vornbäumen

Im kanadischen Toronto hat Bundesaußenminister Guido Westerwelle am Anfang dieser vorösterlichen Woche zur allgemeinen Belustigung seiner Zuhörer zum Besten gegeben, dass er mal in seiner Jugendzeit für einen Kommunisten gehalten worden sei. In den USA sei das gewesen, er habe sich seinerzeit seinem Gesprächspartner als Liberaler vorgestellt. Für den war damit der Fall klar: Aha, ein Kommunist!

Man kann Westerwelle bekanntlich ja viel vorwerfen – das aber nun ganz bestimmt nicht. Westerwelle hatte also vor den weltoffenen Kanadiern ein schönes Beispiel dafür gefunden, wie engstirnig blöd die Amis bisweilen sind, manche jedenfalls. Den Kanadiern hat das gut gefallen. Der Bundesaußenminister hat das übrigens, yes indeed, in sehr passablem Englisch und in freier Rede getan, so dass das Auditorium gar nicht erst in die Verlegenheit kam, ratlos vor sich hinzu stieren, was der Mann da vorne eigentlich sagen wolle. In Ottawa hat Westerwelle dann zwar wieder Kopfhörer aufgesetzt, um den Ausführungen seiner G-8-Außenministerkollegen zu lauschen, aber da kommt es ja auch schließlich auf jedes Wort an.

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Man hat diese Woche einen sehr schönen Begriff davon bekommen, wie multilingual es in der Welt unserer wichtigsten Politiker zugeht. Die Kanzlerin in der Türkei, Verteidigungsminister zu Guttenberg in Bosnien, Westerwelle in Kanada (wo ja auch sein russischer und sein japanischer Kollege dabei waren) – und als sie dann alle wieder am Mittwoch zu Hause waren, bei "Mutti" am Kabinettstisch, da war auch noch keine Ruhe im Ohr. Denn da war, erstmals, die französische Finanzministerin Christine Lagarde zu Gast. Frau Lagarde, das ist die, die den Deutschen kürzlich empfohlen hatte, ein bisschen weniger wettbewerbstüchtig zu sein. Das hört man hierzulande nicht so gern, egal, in welcher Sprache das nun vorgetragen wird.

Der Besuch der französischen Finanzministerin, so ist zu vernehmen, soll dennoch ganz nett gewesen sein und abwaschtechnisch findet er hier auch deshalb Erwähnung, weil natürlich fast alle Kabinettsmitglieder zu Kopfhörern greifen mussten, als Frau Lagarde das Wort ergriff, nur der Mann nicht, der auf dem Sessel des Wirtschaftsministers Platz genommen hatte. Dort sitzt normalerweise Rainer Brüderle, ein Mann der, nun ja, eher in seiner ganz eigenen Sprachwelt zu Hause ist, jovial zwar, aber dann doch so eigentümlich, dass bei etlichen Fernsehsendern mittlerweile dazu übergegangen wurde, das von ihm gesprochene Wort auf dem Bildschirm durch hilfreiche Untertitel zu ergänzen. Brüderle war aber nicht da, sondern Ernst Burgbacher, seines Zeichens Parlamentarischer Staatssekretär, im Wirtschaftsministerium für Tourismus zuständig und seit Jahren mit einer Französin verheiratet.

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Eine gemeinsame deutsch-französische Erklärung zur Bankenabgabe ist dann übrigens wieder in Englisch verfasst worden, sehr passabel und sehr korrekt, natürlich, wie sich überhaupt die Zeiten dem Ende zuzuneigen scheinen, in denen das hochmögende Politikergestammel noch das Zeug hätte, zum Klassiker zu werden. Kein "equal goes it loose" eines Heinrich Lübke mehr, nirgends. Und selbst der diskrete Sprachcharme eines Roman Herzog auf internationalem Parkett scheint längst vergangenen Zeiten anzugehören. Herzog hatte sich mal nach einem Staatsbesuch bei der Abreise von seinen Gastgebern aus Pakistan mit den in Allgäuer Klangfärbung vorgetragenen Worten verabschiedet: Ja, pak I's dann!