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Deutsche Presse zu Bundeswehr-Freiwilligen Dem Schwund mit mehr Ehrlichkeit entgegentreten


Nach nur einem Monat haben 13 Prozent der neuen Bundeswehr-Freiwilligen bereits genug vom Dienst an der Waffe. Kein Grund zur Sorge, beschwichtigt das Verteidigungsministerium. Kein Grund zur Beschwichtigung, kommentiert die deutsche Presse.

Die Beliebtheit des freiwilligen Wehrdienstes hält sich in Grenzen: Nach nur einem Monat haben 13 Prozent der neuen Soldaten bereits genug vom Dienst an der Waffe. Kein Grund zur Sorge, beschwichtigt das Verteidigungsministerium. Die Kommentatoren der deutschen Tagespresse widersprechen.

"Rhein-Zeitung" aus Koblenz/Mainz

Die "Rhein-Zeitung" aus Koblenz/Mainz sieht die mangelnde Attraktivität des neuen Dienstes als Hauptursache für die Flucht der Freiwilligen:

"Jetzt rächt sich, dass die Regierung die Wehrpflicht im Hauruck-Verfahren abgeschafft hat. Die Bundeswehr hatte keine Zeit, die Ausbildung der jungen Menschen zu reformieren und den Wehrdienst hinreichend attraktiv im Sinne von leisten, lernen und belohnt werden zu gestalten. Gewiss: Der Alltag in einer Kaserne ist rau und das wird sich auch sobald nicht ändern lassen. Die jungen Leute, die freiwillig zur Armee gehen, spekulieren auch nicht auf einen Wellness-Aufenthalt. Aber sie wollen eine Gegenleistung für ihre Anstrengung: gute Bezahlung, Karrierechancen, faire Behandlung, Raum für ein Privatleben."

"Südwest Presse" aus Ulm

Die Ulmer "Südwest Presse" befürchtet, dass der freiwillige Wehrdienst zu einem "Tag der offenen Tür" verkommen. Den Fehler sieht auch sie nicht bei den neuen Rekruten.

"Die jungen Leute schnuppern rein, spielen ein paar Tage lang Soldat. Ist ihnen der Dienst als Rekrut nicht genehm, lassen sie es wieder sein. Der Fehler liegt im System: Die Idee, wonach der Wehrdienst in den ersten sechs Monaten jederzeit kündbar ist, erweist sich als praxisfern. Vielmehr sollte auch der freiwillige Dienst mit einer Verpflichtung verbunden sein: Eine Mindestzeit, etwa drei Monate, wäre eine gute Lösung - für beide Seiten."

"WAZ" aus Essen

Die "WAZ" mahnt an, die Bundeswehr müsse ehrlicher für ihren Dienst werben. Schließlich sei ihr lebensgefährlicher Auftrag nicht mit der Arbeit bei anderen Unternehmen zu vergleichen.

"Wer das ehrlich sagt, vermeidet Enttäuschungen. Andererseits darf man aber von jedem Bewerber erwarten, dass er eine ungefähre Vorstellung davon hat, auf was er sich einlässt. Dieser Job kann hart sein, familienfeindlich, traurig, sogar tödlich. Das ist so, seit es Armeen gibt. Wenn die Bundeswehr mehr Freiwillige will, muss sie ihnen mehr anbieten: Mehr Ausbildung oder mehr Geld. Die Leute, die morgens lieber liegen bleiben, kann sie eh' nicht brauchen."

jwi/DPA/AFP DPA

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