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Deutschland: Jeder vierte Bürger ist Migrant

In Deutschland leben mittlerweile 15,3 Millionen Menschen, die aus anderen Ländern zugewandert sind. Von den Migranten und ihren Nachkommen ist allerdings knapp die Hälfte bereits eingebürgert. Interessant ist, wo die Migranten wohnen.

In Deutschland leben rund 15,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte, leben nach der Auswertung des Mikrozensus 2005 etwa 96 Prozent dieser Menschen in den westlichen Bundesländern und Berlin. Unter "Menschen mit Migrationshintergrund" werden die 7,3 Millionen Ausländer mit ihren Nachkommen und 8,0 Millionen Deutsche zusammengefasst, die entweder als Aussiedler aus dem Osten ins Land kamen oder als Ausländer kamen und inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit erworben haben. Fast jedes dritte Kind unter fünf Jahren in Deutschland habe einen Migrationshintergrund, berichtete das Bundesamt.

Fast nur im Westen

Insgesamt beträgt der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung 18,6 Prozent. Aus der zum ersten Mal vorgenommenen Erhebung geht ferner hervor, dass die meisten der eingebürgerten und nicht eingebürgerten Zuwanderer in der früheren Bundesrepublik beheimatet sind: Mit 14,7 Millionen leben 96 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe in Westdeutschland und nur vier Prozent in den neuen Ländern. Vor allem in Großstädten ist der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund besonders hoch. Er beträgt beispielsweise in Stuttgart 40 Prozent, in Frankfurt am Main 39,5 und in Nürnberg 37 Prozent.

Fast 62 Prozent der nach Deutschland migrierten Menschen stammen aus Europa. Die wichtigsten Herkunftsländer sind die Türkei mit 14,2 Prozent aller Zugewanderten, Russland (9,4), Polen (6,9), Italien (4,2), Rumänien, Serbien und Montenegro (je 3,0), Bosnien und Herzegowina (2,3) sowie Griechenland mit 2,2 Prozent.

Geringer qualifiziert, öfter arbeitslos

Die Wiesbadener Statistiker stellten ferner fest, dass die Zugewanderten geringer qualifiziert sind als die alteingesessenen Bürger: Fast zehn Prozent haben keinen Schulabschluss und 51 Prozent keinen beruflichen Abschluss gegenüber 1,5 Prozent beziehungsweise 27 Prozent der Ursprungsbevölkerung. Menschen mit Migrationshintergrund sind darüber hinaus seltener erwerbstätig als die angestammte Bürgerschaft (62 gegenüber 73 Prozent), häufiger arbeitslos (13 gegenüber 7,5 Prozent), und sie stehen dem Arbeitsmarkt häufiger (25 gegenüber 19,5 Prozent) überhaupt nicht zur Verfügung.

Schließlich sind zugewanderte Erwerbstätige doppelt so häufig als Arbeiter und Arbeiterinnen tätig als diejenigen ohne Migrationshintergrund (48,5 gegenüber 24 Prozent). Entsprechend selten sind unter Ausländern und Eingebürgerten Angestellte oder Beamte anzutreffen. Besonders häufig arbeiten Zuwanderer in Industrie und Handel sowie in der Gastronomie.

Zuwanderung in Wellenbewegungen

Weil keine Vergleichszahlen verfügbar sind, lässt sich nicht darstellen, wie sich die Zahl der Personen mit Migrationshintergrund in Deutschland seit 1950, dem von den Statistikern ausgewählten Stichjahr, verändert hat. Das Bundesamt wies lediglich darauf hin, dass die Zuwanderungsbewegung in mehreren Wellen erfolgte: in den 60er Jahren die der Gastarbeiter, in den 80ern der Zustrom von rund einer Million Polen und nach dem Fall des Eisernen Vorhangs die Ankunft von hunderttausenden Russen.

In einer weiteren Statistik des Bundesamtes heißt es jedoch, dass sich Zahl der Einbürgerungen von Zugewanderten in den letzten Jahren spürbar verringert hat. So erhielten 2003 noch 140.700 Migranten die deutsche Staatsbürgerschaft, 2004 waren es 127.000 und 2005 nur noch 117.200. Zuletzt kamen unter anderen knapp 33.000 Eingebürgerte aus der Türkei, 13.000 aus dem ehemaligen Jugoslawien, fast 7.000 aus Polen und rund 5.000 aus Russland.

AP/DPA / AP / DPA