Deutschlandbesuch Dalai Lama will "keine Probleme" bereiten


Der Dalai Lama hat sich am ersten Tag seines Deutschlandbesuches für mehr Demokratie in Tibet ausgesprochen. Dass ihn als einziges Mitglied der Bundesregierung Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul empfangen wird, sei "kein Problem", sagte er. Die chinesische Botschaft protestierte gegen das Treffen.

Der Dalai Lama hat sich für mehr Demokratie in Tibet und anderen Teilen der Welt ausgesprochen. Er fühle sich der Demokratie absolut verpflichtet, sagte der geistliche Führer der Tibeter in Bochum nach einem Treffen mit Bundestagspräsident Norbert Lammert. Beide seien wegen der Lage in Tibet besorgt und der fehlenden Freiheit dort.

Lammert sagte, Tibet habe sich zu einer sehr grundsätzlichen Frage entwickelt. Dabei gehe es nicht um Sonderrechte oder Unabhängigkeit, sondern um Menschenrechte. Dieser Anspruch sei in Tibet genauso gerechtfertigt wie anderswo. Der Dalai Lama traf zudem den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (ebenfalls CDU). Medien hatten zu den Treffen in Bochum nur eingeschränkten Zugang.

Der Dalai Lama war am Morgen zu einem fünftägigen Besuch in der Bundesrepublik eingetroffen. Er hatte zunächst ein kurzes Gespräch mit dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch geführt, der ihn am Flughafen in Frankfurt empfangen hatte. Koch, den seit Jahren eine Freundschaft mit dem Dalai Lama verbindet, wollte sich über die Lage in Tibet informieren.

Dalai Lama will "keine Unannehmlichkeiten bereiten"

Am Montag wird der Dalai Lama als einziges Mitglied der Bundesregierung Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) in Berlin treffen. Er äußerte Verständnis dafür, dass er weder von Bundespräsident Horst Köhler noch von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) empfangen wird. Sein Besuch sei diesmal "zu allererst nicht politischer Natur", sagte das im Exil lebende religiöse Oberhaupt der Tibeter dem Internetportal "Bild.de". Er wolle bei seinen Besuchen "keine Unannehmlichkeiten bereiten". Deshalb habe er Verständnis für diejenigen, die bei einem Treffen "Unannehmlichkeiten befürchten". Dies sei "kein Problem" für ihn.

Die chinesische Botschaft in Berlin hat offiziell gegen das Treffen mit Wieczorek-Zeul protestiert. "Der Dalai Lama ist ein politischer Querulant, der seit langem separatistische Aktivitäten betreibt", sagte ein Botschafts-Sprecher. Ein Treffen seitens der Bundesregierung wäre daher ein falsches Signal.

Nach einer Begegnung mit Kanzlerin Angela Merkel im Bundeskanzleramt im Herbst hatte China empört reagiert und mehrere politische Gespräche abgesagt. Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der Merkels Vorgehen seinerzeit als "Schaufensterpolitik" kritisiert hatte, lehnte auch jetzt mit Blick auf die Beziehungen zu China ein Gespräch mit dem Dalai Lama ab.


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