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Deutschlands jüngster Bürgermeister 25, Sozi, Chef

Die Republik hat ein neues politisches Wunderkind: Michael Salomo, 25, regiert nun die kurpfälzische Kleinstadt Haßmersheim. Wer ist der Mann?

So viel Aufmerksamkeit ist neu für die 5000-Einwohner-Gemeinde im Neckar-Odenwald-Kreis. Seit einigen Wochen kommen immer wieder Journalisten, Kamerateams und Fotografen nach Haßmersheim (Baden-Württemberg). Das plötzliche öffentliche Interesse verdankt der Ort dem 25-jährigen Sozialdemokraten Michael Salomo.

Seit Montag ist der gebürtige Allgäuer Deutschlands jüngster Bürgermeister - dem Städte- und Gemeindebund sind nur ältere Rathauschefs bekannt. Sein erstes Ziel hat Salomo schon vor seinem ersten Arbeitstag erreicht: Haßmersheim bekannter zu machen. Der Superlativ ist sein Trumpf - aber nicht sein einziger.

Unser Mann vom Verfassungsschutz

"Ich freue mich, dass der Tag nun endlich da ist", sagt er, als er seine ersten Runden am neuen Arbeitsplatz dreht. "Ein bisschen aufgeregt bin ich natürlich, aber ich denke, das gehört dazu." An seinem ersten Tag will er vor allem seine neuen Mitarbeiter kennenlernen - immer wieder kommen allerdings Interviews mit Journalisten und Fototermine dazwischen. "Eine Verwaltung ist nur effizient, wenn die Mitarbeiter auch gute Stimmung haben", sagt Salomo, der mit 16 Jahren in die SPD eintrat. Mit Verwaltungen kennt er sich aus: Der Bürgermeister ist gelernter Regierungssekretär.

Während viele seiner Altersgenossen noch studieren oder sich als Berufsanfänger durchschlagen, kann er schon eine jahrelange Berufslaufbahn vorweisen: Nach der Ausbildung im Bundesverwaltungsamt bearbeitete er beim Verfassungsschutz in Stuttgart Einbürgerungsverfahren. Zuletzt bekämpfte er als Zollbeamter bei der Bundesfinanzverwaltung illegale Beschäftigung. Weil es in seinem Leben nicht nur um Akten gehen sollte, absolvierte Salomo auch eine Ausbildung zum Rettungssanitäter.

Schuhe aus, rein ins Haus

Er kann gut mit Menschen, das ist ihm gleich anzumerken. Seine offene Art kam ihm auch im Wahlkampf zugute. Bei seinen Hunderten Hausbesuchen zog er ungefragt brav die Schuhe aus - das kam an. Er sei halt so erzogen, sagt Salomo.

Die Stimmung zwischen ihm und seinem Amtsvorgänger allerdings wirkt frostig. Mit 54 Prozent hatte Salomo sich am 27. Oktober gegen den parteilosen Marcus Dietrich durchgesetzt. Der langjährige und nun abgewählte Rathauschef reagiert am Telefon abweisend und möchte sich nicht näher zu Salomo äußern. Er habe seinen Glückwünschen am Wahltag nichts hinzuzufügen.

Akten in der Badewanne

Auch die #link,http://www.spd-bw.de/;Landes-SPD# blickt gen Haßmersheim. "Es ist ein klasse Signal, dass junge Menschen in der SPD kommunale Verantwortung übernehmen und Erfolg haben", erklärte der SPD-Landesvorsitzende Nils Schmid nach der Wahl. Eine Karriere in der Landes- und Bundespolitik kann sich Salomo gut vorstellen. Konkrete Pläne schmiede er aber noch nicht. Erstmal hat er sich in Haßmersheim ein Haus gesucht. Bis das saniert ist, pendelt er von Stuttgart aus in die Gemeinde. Sein Lebenspartner soll bald nachziehen.

Die politische Arbeit will er schnell anpacken. Zunächst werde er eine Studie in Auftrag geben, um den Pflegebedarf für Ältere in der Gemeinde zu ermitteln, kündigt er an. Außerdem möchte Salomo einen Jugendgemeinderat ins Leben rufen: "Ich möchte in die Schulen gehen und die jungen Leute dafür begeistern." Neben der Begegnung mit den Haßmersheimern muss er viele Akten wälzen. Hier setzt er zunächst auf die Zugfahrten von und nach Stuttgart - und später dann auf die heimische Badewanne.

Christine Cornelius/DPA DPA

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