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Einigung auf Betreuungsgeld: Betrug am Kind

Wahnsinn Herdprämie: Zwei Milliarden Euro will die Regierung dafür ausgeben, dass Kinder Bildungschancen nicht wahrnehmen. Kein Wunder, dass die Koalition darüber streitet.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

Wie weit entfernt Politik zuweilen verläuft von Interessen der Wähler, lässt sich selten so präzise beobachten wie jetzt an der Diskussion über die so genannte Herdprämie - die zu Recht auch nach ihrem Beschluss beim Koalitionsgipfel für schwarz-gelben Zank sorgt. Zwei Milliarden Euro, so haben es die Spitzen von Union und FDP am Sonntag beschlossen, sollen dafür ausgegeben werden, dass Eltern ihre kleinen Kinder unter drei Jahren zu Hause erziehen. Der Beschluss liegt fern aller Erkenntnisse der Experten pädagogischer Wissenschaften, aber ganz nahe an den Überlebensängsten der Regierung.

Man musste mal wieder zeigen, dass man irgendwie entschlussfähig ist. Wie auch immer. Wenn die FDP endlich mal vorführen will, dass sie in Sachen Steuererleichterung nicht nur Märchen erzählt, dann muss die CSU endlich mal beweisen, dass ihre Herdprämie nicht nur Geschwafel ist. Die Liberalen waren bei Abschluss des Koalitionsvertrages dafür, weil sie an die Macht wollten. Also schlucken sie jetzt die Herdprämie, die in der FDP wie auch von allen pädagogischen Experten für – schlichtgesagt – Schwachsinn gehalten wird.

Dieses Land gibt künftig zwei Milliarden aus, um Eltern davon abzuhalten, ihren Nachwuchs in ein Erziehungssystem zu schicken, das ihre Lebenschancen erheblich verbessern würde. Theoretisch verbessern würde, muss man sagen. Denn die den Eltern versprochenen Plätze in Kleinkindertagestätten, die gibt es gar nicht. Vor allem nicht in Bundesländern, die von Partein regiert werden, die das Wörtchen "christlich" im Namen führen – wie die CSU. Bayern ist meilenweit von der Erfüllung des Anspruches entfernt.

Die Fernhalteprämie

Dass die angstgeplagte CSU sich auf diese Weise die Hoheit über die deutschen Kinderbetten sichert, ist obszön: Lieber drückt man mehr Steuergeld in die Taschen der Eltern als in die Zukunftschancen ihrer Kinder. Die Herdpämie ist eine Fernhalteprämie vom Abitur. Sie ist ein Betrug an Kindern aus sozial schwachen Familien, die frühkindliche Bildung beim besten Willen zu Hause nicht vermitteln können.

Absurder geht es nicht mehr: Es werden zwei Milliarden dafür gezahlt, dass kleine Kinder bestimmte Angebote nicht wahrnehmen, die sie eigentlich bräuchten für die Zukunft unserer Gesellschaft. Ein wahrhaft vergiftetes Angebot, das Menschen ihre Lebenschancen raubt.

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