Einsturzkatastrophe Gedenkfeier in Bad Reichenhall


Hunderte Menschen haben fünf Tage nach dem Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall in einem ökumenischen Gottesdienst der 15 Todesopfer gedacht. Unter den Trauernden befand sich auch Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber.

Fünf Tage nach dem Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall haben hunderte Menschen in einem ökumenischen Gottesdienst der 15 Todesopfer gedacht. Die Gedenkfeier am Samstag war bewusst schlicht gehalten: Bei dem Gebet in der Pfarrkirche St. Zeno gab es keine Ansprachen, es wurden Bibeltexte und Psalmen verlesen. Auch Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber nahm an dem Wortgottesdienst teil. Nach Angaben des katholischen Stadtpfarrers Helmut Bauer hatte auch Bundespräsident Horst Köhler geplant, an dem stillen Gedenken teilzunehmen. Sein Flugzeug habe wegen schlechten Wetters aber nicht in Salzburg landen können.

Überfüllte Kirche

Hunderte Trauernde - vorwiegend Einheimische - waren bei eisigen Temperaturen in die große Pfarrkirche gekommen. In der überfüllten Kirche standen die Menschen bis in die Gänge, der Gottesdienst wurde mit Lautsprechern ins Freie übertragen. Auch Angehörige der Opfer sowie zahlreiche Einsatzkräfte unter anderem der Feuerwehr und des Bayerischen Roten Kreuzes gedachten in Stille der Opfer. Als Symbol für die Auferstehung brannte in der Kirche die Osterkerze.

Kamerateams und Fotografen waren nicht zugelassen. Die Polizei sperrte die Gegend um die Pfarrkirche weiträumig ab, um den Trauernden ein Gedenken in Ruhe zu ermöglichen. "Die Menschen sollen in Gebet, Meditation und Stille einen geschützten Raum für ihre Trauer haben", sagte Pfarrer Bauer.

Auch der Lawinenopfer wurde gedacht

Das Gebet galt auch den drei bei einem Lawinenabgang an der Reiteralm - ebenfalls im Landkreis Berchtesgadener Land - getöteten Wintersportlern. Das Unglück hatte sich am Montag kurz vor dem Einsturz der Eishalle ereignet.

Die offizielle Trauerfeier findet am kommenden Dienstag statt. Wiederum werden Ministerpräsident Stoiber sowie weitere Mitglieder der Staatsregierung erwartet.

Die Fahnen vor dem Bad Reichenhaller Rathaus wehten am Samstag auf Halbmast, an der Unfallstelle und vor dem Rathaus brannten Kerzen und Grablichter zum Gedenken an die Toten. Die Eishalle war am vergangenen Montag eingestürzt. Unter den 15 Todesopfern waren 12 Kinder und Jugendliche. Am Dienstag soll in dem bayerischen Kurort ein großer Trauergottesdienst stattfinden.

Bundespräsident Köhler traf am Nachmittag ein

Bundespräsident Horst Köhler hat sich im Bad Reichenhaller Pfarrheim St. Zeno ins Kondolenzbuch für die 15 Todesopfer des Eishallen-Einsturzes eingetragen. Köhler kam in Begleitung seiner Frau Eva, um an dem stillen Gedenken in dem oberbayerischen Kurort teilzunehmen. An Oberbürgermeister Wolfgang Heitmeier richtete Köhler Worte des Mitgefühls. Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber dankte dem Staatsoberhaupt für dessen Anteilnahme.

Köhler hatte ursprünglich schon an einem ökumenischen Gottesdienst am Vormittag teilnehmen wollen, doch konnte sein Flugzeug wegen schlechten Wetters nicht in Salzburg landen und musste nach München umgeleitet werden. Köhler bedauerte bei seinem Besuch in dem Pfarrheim diese Verzögerung. An der offiziellen Trauerfeier am kommenden Dienstag kann Köhler ebenfalls nicht teilnehmen. Deshalb habe sich der Bundespräsident für den Besuch am Samstag entschieden, sagte Stoiber.

Baufälligkeit offenbar nachgewiesen

Mittlerweile wurde bekannt, dass ein Prüfingenieur Schäden an den unter der Schneelast gebrochenen Dachträgern der Eislaufhalle von Bad Reichenhall festgestellt hat.

Bei einer ersten Untersuchung der Trümmer in der Nacht nach dem Einsturz der Halle habe der Traunsteiner Prüfingenieur Walthari Fuchs festgestellt, dass an mindestens fünf der 20 Bruchstellen die Leimverbindungen der Holz-Deckenträger vollständig abgelöst gewesen seien, so berichtet das Magazin "Der Spiegel". Dies habe möglicherweise mit zu dem Zusammenbruch der Decke beigetragen.

DPA/Reuters DPA Reuters

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