Entscheidung Rau will früheren RAF-Terroristen Wagner begnadigen


Der frühere RAF-Terrorist Rolf Clemens Wagner soll nach 24 Jahren Haft begnadigt werden. Bundespräsident Johannes Rau habe bereits vor einiger Zeit ein entsprechendes Verfahren eingeleitet,

Der frühere RAF-Terrorist Rolf Clemens Wagner soll nach 24 Jahren Haft begnadigt werden. Das Bundespräsidialamt bestätigte am Samstag in Berlin einen entsprechenden "Spiegel"- Bericht. Bundespräsident Johannes Rau habe bereits vor einiger Zeit ein entsprechendes Verfahren eingeleitet, sagte eine Sprecherin: "Das Verfahren ist aber noch nicht abgeschlossen."

Als Termin für Wagners Entlassung ist dem "Spiegel" zufolge Anfang Dezember vorgesehen. Möglicherweise komme der heute 59-Jährige aber auch erst kurz vor Weihnachten frei. Wagner war wegen Beteiligung an der Entführung und am Mord an Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer zu lebenslanger Haft verurteilt worden und hat laut "Spiegel" bereits im Herbst 2001 in einem persönlichen Schreiben an Bundespräsident Rau, das Insider als "nachdenklich und inhaltsreich" beschrieben, um seine Begnadigung gebeten.

So lange sitz kein anderer Terrorist ein

Wagner sitzt länger als jeder andere ehemalige Terrorist der Roten Armee Fraktion im Gefängnis. Von den insgesamt 26 deutschen Linksterroristen, die seit Mitte der 70er Jahre zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt wurden, sind außer ihm nur noch Eva Haule, Christian Klar, Brigitte Mohnhaupt und Birgit Hogefeld in Haft.

Wagner hatte Schleyer erschossen

Schleyer wurde nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft am 18. Oktober 1977 von Wagner erschossen. Am selben Tag stürmte die GSG 9, eine Spezialtruppe des deutschen Bundesgrenzschutzes, in Mogadischu (Somalia) die entführte Lufthansa-Maschine "Landshut". Drei der vier palästinensischen Terroristen, die mit ihrer Tat Forderungen der RAF im Entführungsfall Schleyer bekräftigen wollten, wurden erschossen. Kurz darauf begingen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe im Gefängnis Stuttgart-Stammheim Selbstmord.

Bei den Anschlägen der RAF kamen zwischen 1971 und 1993 allein in der Bundesrepublik mindestens 30 Menschen ums Leben. Letzte prominente Opfer waren 1989 der Deutsche-Bank-Sprecher Alfred Herrhausen und 1991 Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder. Im Frühjahr 1998 löste sich die RAF selbst auf.


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