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FDP-Bundesparteitag in Rostock: Westerwelle entschuldigt sich für Fehler

Demut statt Arroganz: Der scheidende FDP-Chef Guido Westerwelle hat auf dem Rostocker Bundesparteitag eine selbstkritische Bilanz seiner Arbeit gezogen. Auch zur neuen FDP-Führung fand er klare Worte.

Der scheidende FDP-Chef Guido Westerwelle hat auf dem Bundesparteitag der Liberalen versucht, mit dem Eingeständnis eigener Fehler seinen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Westerwelle, der nach zehn Jahren an der Parteispitze nicht mehr antritt, sagte vor mehr als 600 Delegierten in Rostock: "Wer so lange eine Partei führt, der macht auch Fehler." Keiner wisse das besser als er. "Ich stehe zu jedem Fehler und ich entschuldige mich auch für jeden Fehler."

Insgesamt zog er aber eine zufriedene Bilanz seiner Ära. "Die letzten zehn Jahre waren unterm Strich durchaus positiv. Wir haben mehr richtig als falsch gemacht."

Wie bereits in den vergangenen Tagen sicherte Westerwelle dem künftigen Vorsitzenden Philipp Rösler volle Unterstützung zu. Die FDP bekomme eine "hervorragende neue Führungsmannschaft", sagte er. Und: "Ich werde meinem Nachfolger nicht ins Lenkrad greifen."

"Wir können nachvollziehen, was Koch-Mehrin durchmacht"

Westerwelle richtete auch ein paar Worte an die FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin, die angesichts schwerer Schummel-Vorwürfe bezüglich ihrer Doktorarbeit am Mittwoch von ihren politischen Ämtern zurückgetreten war. "Wir können menschlich nachvollziehen, was sie gerade durchmacht", sagte Westerwelle.

Westerwelle hatte Anfang April angesichts mehrerer Wahlschlappen und anhaltend schlechter Umfragewerte nach zehn Jahren seinen Abschied aus dem Amt des Parteichefs angekündigt. Die neue Parteiführung will auf dem dreitägigen Parteitag eine offene Abrechnung mit Westerwelle verhindern. Nach einem Gespräch mit dem neuen FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle verzichtete der Fraktionsvize Martin Lindner auf einen Antrag, die Delegierten abstimmen zu lassen, ob Westerwelle im Außenamt bleiben darf. Der künftige Vorsitzende Rösler erklärte dann auch die Diskussion um eine Ablösung Westerwelles als Außenminister für beendet: "Das eigentliche Geschenk, dass wir Dir schuldig sind, ist der Respekt vor Deiner Leistung, Deiner Person und Deinem Amt als Außenminister", sagte der neue Wirtschaftsminister.

Unmittelbar nach der Rede Westerwelles war vom Frust auf den scheidenden Vorsitzenden ebenfalls nichts zu merken: Die Delegierten verabschiedeten Westerwelle sieben Minuten lang stehend mit Applaus. Dabei hatte Westerwelle Tränen in den Augen.

"Unsere Partei befindet sich in einer schweren Krise"

Der neue Bundestagsfraktionschef Rainer Brüderle hatte den Parteitag mit einer kritischen Bilanz eröffnet. "Unsere Partei befindet sich in einer schweren Krise." Vor der Bundestagswahl habe die FDP bei den Bürgern hohe Erwartungen geweckt - "und bisher nicht genügend geliefert", sagte der bisherige Wirtschaftsminister.

Röslers neue Führungsmannschaft soll in Rostock von der Basis bestätigt werden. Birgit Homburger ist als erste Stellvertreterin Röslers vorgesehen - als Ausgleich dafür, dass sie im internen Machtkampf den Fraktionsvorsitz für Brüderle geräumt hatte. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Sachsens FDP-Chef Holger Zastrow sollen weitere Stellvertreter werden.

chs/DPA/Reuters / DPA / Reuters