Forsa-Umfrage SPD-Schub bleibt aus

Schwarz-Gelb bleibt mehrheitsfähig: Laut der Forsa-Umfrage des stern bauen Union und FDP ihren Vorsprung vor den übrigen im Bundestag vertretenen Parteien sogar noch aus. Und die Linke streicht auch diese Woche nicht die politische Dividende der Finanzkrise ein.

Hoffnung: Das war die vorherrschende Stimmung auf dem SPD-Parteitag vor zehn Tagen in Berlin. Sozialdemokraten traten endlich mal wieder als Siegertypen auf, das neue Spitzenduo Frank-Walter Steinmeier und Franz Müntefering verbreitete Optimismus - sogar die Ankündigung, nach der Wahl 2009 wieder den Kanzler stellen zu wollen, wirkte nicht so abwegig wie noch im vergangenen Sommer. Die SPD auf Kur - doch in der Demoskopie schlägt sich die parteiinterne Gemütshelligkeit noch nicht nieder.

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Wäre morgen Bundestagswahl, würde die SPD laut einer Umfrage von Forsa im Auftrag des stern bei 24 Prozent verharren - keine Veränderung im Vergleich zur Woche vor dem Parteitag. Die Union rutschte um einen Punkt auf 36 Prozent ab. Zusammen mit der FDP (13 Prozent, plus eins) hätte sie dennoch eine komfortable Mehrheit. Die SPD käme zusammen mit den Grünen (acht Prozent, minus eins) und der Linken (13 Prozent, unverändert zur Vorwoche) auf insgesamt 45 Prozent. Für die sonstigen Parteien würden sich immerhin zusammen sechs Prozent der Wähler entscheiden.

Auffallend ist weiterhin der stagnierende Sympathiewert für die Linke. Trotz Bankenpleiten und der Gier-Diskussion um die Finanz-Manager gelingt es ihr nicht, an Sympathie zu gewinnen. "Das ist relativ klar erklärbar. Die Linke kann zwar Probleme an die Wand projizieren, und man sagt: 'Ja, die haben das ja schon immer gesagt mit den bösen Finanzmenschen und der bösen Bankenwelt'", sagt Forsa-Chef Manfred Güllner im stern.de-Interview im "Café Einstein". "Aber man traut ihr die Lösung nicht zu. Der Linken geht es so, wie es Oskar Lafontaine schon im Bundestagswahlkampf 1990 ging, als er ja über alles Mögliche geredet hat und problematisiert hat, was mit der Wiedervereinigung zusammenhängt. Aber man traut ihm nicht zu, dass er die Probleme, die er benennt, auch lösen kann."

Doch auch die Sozialdemokraten gelten bei vielen Bundesbürgern in Wirtschaftsfragen als nicht kompetent. Nur knapp ein Viertel aller Wahlberechtigten (24 Prozent) ist der Meinung, dass die Sozialdemokraten die aktuelle Banken- und Finanzkrise am besten lösen können. Selbst bei den eigenen Anhängern sind die Zweifel groß, nur 35 Prozent glauben an die wirtschaftliche Kompetenz der Partei. Unter den Arbeitern sind es lediglich 17 Prozent. "Das eine ist, dass die SPD als Partei insgesamt seit Jahren keine ökonomische Kompetenz mehr hat", sagt Güllner. "Und Steinbrück wird als Finanzminister wahrgenommen. Er redet auch in einer, sagen wir mal, etwas fiskalischen Sprache, in Begriffen, die die Menschen eher als technokratisch empfinden."

Die Union, die immer noch als Partei der sozialen Marktwirtschaft gilt, schneidet besser ab. 35 Prozent der Bürger trauen ihr zu, mit der Krise fertig zu werden. Die größte Gruppe der Befragten (41 Prozent) hat allerdings grundsätzlich den Glauben an die Handlungsfähigkeit der Parteien verloren.

chr

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