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Genesung: Struck meldet sich zurück

Nach zehnwöchiger Zwangspause meldet sich Verteidigungsminister Peter Struck mit Truppenbesuchen zurück. Struck ist verärgert über Berichte, er komme nur für eine Übergangszeit zurück.

Allen Unkenrufen zum Trotz kehrt Verteidigungsminister Peter Struck an diesem Montag an seinen Arbeitsplatz zurück. Nach fast zehnwöchiger Zwangspause will er wieder seines Amtes walten. Am 10. Juni war er als Notfall in das Berliner Universitätsklinikum Charité gebracht worden. Das Ministerium stellte den Zusammenbruch als Schwächeanfall dar. Doch damit fällt man nicht so lange aus, hieß es in der Opposition. Als hartnäckigste Spekulation hält sich, dass der SPD-Politiker einen Schlaganfall erlitten hatte.

"Es ist alles im Plan"

Nun geht es ihm nach eigenem Bekunden wieder gut. Schon am Dienstag startet er eine Reihe von Truppenbesuchen, die ihn quer durch Deutschland wieder an die Basis führen. "Es ist alles im Plan", sagt sein Sprecher Norbert Bicher. Er ist verärgert über Berichte, der Minister komme nur für eine Übergangszeit zurück.

Keine Frage, Struck ist eisern. Auch zwei Herzinfarkte Ende der 80er Jahre und eine Operation an der Halsschlagader 2000 hielten ihn nicht davon ab, weiter für die SPD Politik zu machen. Inzwischen gehört er ihr 40 Jahre an. Als der 61-Jährige Anfang Juli vom Krankenbett im heimischen Uelzen für eine Stippvisite zu Abstimmungen in den Bundestag kam, ließ er sich keine Schwäche anmerken. Er scherzte, diskutierte und schüttelte viele Hände, die ihm Politiker aller Parteien aus Freude über das Wiedersehen reichten.

Wie angeschlagen ist Struck?

Das Ganze dauerte aber nur ein paar Stunden und die Frage bleibt: Wie angeschlagen ist Struck? Kann er dauerhaft den aufreibenden Alltag eines Verteidigungsministers mit nationalen Anstrengungen und internationalen Verpflichtungen durchhalten? Kommt er zurück, um Bundeskanzler Gerhard Schröder nicht in die Bredouille einer Kabinettsumbildung zu bringen? Oder kann sich auch Struck wie viele Politiker einfach kein anderes Leben als in der Politik vorstellen?

Struck ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere, sagen Wegbegleiter. Selbst als Kanzler ist er gehandelt worden. Da fällt das Aufhören schwer. Als Verteidigungsminister - der er nie werden wollte - ist er in der Bevölkerung beliebter als in all seinen anderen Ämtern zuvor. Er hat nicht nur einen guten Draht zum einfachen Soldaten. Er gewinnt mit seiner Berechenbarkeit auch Generäle für sich und kann sich andererseits gegen Widersacher unter ihnen durchsetzen.

"Der Bundeswehr tut das richtig gut"

Die Truppenbesuche, mit denen sich Struck nun zurückmeldet, seien zwar anstrengend, doch er schöpfe auch Kraft daraus, sagen Militärs. Denn meist werde er trotz Kürzungen und Streichungen bei der Bundeswehr freundlich, manchmal sogar kumpelhaft empfangen. "Der Minister ist mit seinem direkten Kontakt zu den Soldaten positiv in den Medien", urteilt ein General. Und in Anspielung auf negative Schlagzeilen zu Zeiten von Strucks Vorgänger Rudolf Scharping (SPD) fügt er hinzu: "Der Bundeswehr tut das richtig gut."

Bald dürfte sich die Stimmung in der Truppe aber wieder trüben. Struck will bis Jahresende noch einmal 100 Bundeswehrstandorte schließen. Damit wird er sich bei Soldaten und Kommunalpolitikern im ganzen Land gleichermaßen unbeliebt machen. Wie die Erfahrung gezeigt hat, werden auch betroffene SPD-Bürgermeister protestieren. Nach Strucks Zusammenbruch hatte sich die Opposition aus Rücksicht auf seine Genesung mit Kritik zurückgehalten. Sobald er aber wieder am Schreibtisch sitzt, werden Union und FDP ihren politischen Waffenstillstand aufheben. An diesem Montag ist seine Schonfrist vorbei.

Kristina Dunz/DPA / DPA