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Nach Peter Strucks Herzinfarkt: Parteiübergreifende Trauer über plötzlichen Tod

Im Januar hätte er seinen 70. Geburtstag gefeiert: Der Ex-Verteidigungsminister und SPD-Politiker Peter Struck verstarb am Mittwoch nach einem Herzinfarkt. Seine Politkollegen reagieren bestürzt.

Er saß fast 30 Jahre im Parlament, war Garant für den Zusammenhalt der großen Koalition und bei den Soldaten als Verteidigungsminister sehr geschätzt. Kurz vor Weihnachten ist der SPD-Politiker Peter Struck im Alter von 69 Jahren nach einem Herzinfarkt in Berlin gestorben. Erst Anfang der Woche war er als Vorsitzender der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung wiedergewählt worden. Mitglieder aller Parteien reagierten betroffen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte Struck einen bedeutenden Parlamentarier und großen Sozialdemokraten. Sie habe Struck als Fraktionschef in der großen Koalition von 2005 bis 2009 "als hart argumentierenden, dabei jedoch stets verlässlichen Partner" schätzen gelernt. Für Altkanzler Helmut Kohl war er sogar sein "Lieblingssozi".

Auch Bundespräsident Joachim Gauck zeigte sich tief bestürzt. "Mit ihm verlieren wir einen über die Parteigrenzen hinweg außerordentlich respektierten Politiker, der uns mit seiner großen Authentizität und Leidenschaft in Erinnerung bleiben wird", erklärte das Staatsoberhaupt am Mittwoch. "Deutschland verliert mit Peter Struck einen Mann, der mit seiner Glaubwürdigkeit und Kompetenz das Vertrauen in die Politik gestärkt und ihr viele Impulse gegeben hat." Struck habe die Arbeit der SPD-Bundestagsfraktion lange maßgeblich geprägt. Als Verteidigungsminister sei er "mit seiner Gelassenheit und Entscheidungsfreude" bei den Soldaten anerkannt gewesen.

Genossen trauern um engen Weggefährten

Parteigenosse Frank-Walter Steinmeier, der Struck 2009 als Fraktionschef beerbte, erklärte, die SPD verliere "einen Freund, einen engen Weggefährten, einen Mann voller Herzenswärme, Humor und Lebensklugheit". Als einziger Fraktionsvorsitzender seit Gründung der Bundesrepublik sei er zweimal Bundestagsfraktionschef geworden. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück betonte: "Er war ein unverwechselbarer Charakter auf der Bühne der Politik, über die Parteigrenzen hinweg geschätzt und in der Öffentlichkeit als authentische Persönlichkeit wahrgenommen."

Parteichef Sigmar Gabriel sagte, Struck werde immer als Mann klarer Worte in Erinnerung bleiben, aber auch als "geradliniger Pflichtmensch mit großen Überzeugungen". Struck hatte sich vor zwei Jahren, damals schon aus der aktiven Politik ausgeschieden, einen Machtkampf mit Gabriel geliefert, als es um den Vorstandsposten der Friedrich-Ebert-Stiftung ging: Gabriel hatte für eine Verjüngung und Neuausrichtung der Stiftung plädiert. Durchgesetzt hatte sich am Ende Struck.

Ex-Kanzler Gerhard Schröder erklärte, Strucks Integrität und Loyalität hätten ihn tief beeindruckt. "Auf sein Wort war immer Verlass. Er war ein gradliniger, verlässlicher und lebensfroher Niedersachse." Struck habe die parlamentarische Unterstützung organisiert, aber auch auf die Eigenständigkeit der Abgeordneten geachtet.

Ein Politiker mit Ecken und Kanten

Selbst über die Parteigrenzen hinweg zollten ihm Politkollegen ihren Respekt. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) betonte: "Er hat sich durch seine Gradlinigkeit und Verlässlichkeit Respekt und Wertschätzung weit über die eigene Partei hinaus erworben." Er erinnerte daran, dass Struck fast 30 Jahre Mitglied des Parlaments war. Viele langjährige Kollegen verlören einen guten politischen Freund.

Mit Unionsfraktionschef Volker Kauder bildete er in der großen Koalition ein erfolgreiches Gespann, um das Bündnis von SPD und CDU/CSU auch in Krisen zusammenzuhalten. Kauder sagte, Struck sei in dieser Zeit zu einem verlässlichen Freund und Wegbegleiter geworden. "Er hat sich um unser Land als aufrechter Demokrat verdient gemacht." Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) sagte, mit ihm verliere Deutschland einen aufrechten und authentischen Charakter, der wie kaum ein anderer die Verteidigungspolitik des Landes verkörpert habe. "Er hat die Soldaten gemocht und sie ihn."

Linke-Fraktionschef Gregor Gysi würdigte Strucks Stil als etwas, das heute in der Politik zunehmend fehle. "Er war fleißig, engagiert und verlor nie das Gefühl für die Situation der Bevölkerung, für Menschen in Armut." Er habe sich freundschaftlich, kollegial und solidarisch verhalten. Dies sei inzwischen eher eine Rarität in der Politik, sagte Gysi.

Die Grünen-Fraktionschefs Jürgen Trittin und Renate Künast erklärten: "Sein Spruch, dass kein Gesetz den Bundestag so verlasse wie es hineingekommen sei, wurde als "Strucksches Gesetz" zum geflügelten Wort." Er habe entscheidend zum Zustandekommen und Erfolg der rot-grünen Regierungskoalition beigetragen. FDP-Chef Philipp Rösler würdigte Struck als "einen prägenden Kopf der Politik". Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund bekundete seine Trauer. "Peter Struck war in seiner Art unvergleichlich, ein Politiker mit Ecken und Kanten", erklärte DGB-Chef Michael Sommer.

nw/DPA/Reuters / DPA / Reuters