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Führungskrise vor Parteitag Gysi fürchtet Zerbrechen der Linken


Drastische Worte von Gregor Gysi: Der Fraktionschef der Linken hat seine Partei vor einer Spaltung gewarnt. Der Parteitag am Wochenende könne wegen des Führungsstreits mit einem Desaster enden.

Der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Gregor Gysi, hat seine Partei vor einem Desaster auf dem Bundesparteitag am Wochenende in Göttingen gewarnt. "Es wird schwer, aber ich hoffe darauf, dass die Delegierten den Ernst der Situation erkennen", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". "Entweder es gelingt ein Neubeginn, oder es endet in einem Desaster bis hin zu einer möglichen Spaltung."

In Göttingen will die Linke eine neue Spitze wählen. In der Partei läuft seit Monaten ein Machtkampf um die Führung. Seit der Bundestagswahl 2009 stürzte sie in den Umfragen von 11,9 auf derzeit fünf bis sechs Prozent ab. 44 Prozent der Deutschen trauen ihr den Wiedereinzug in den Bundestag 2013 nicht mehr zu. Nur 39 Prozent glauben laut einer Umfrage des Institutes YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur DPA, dass sie die Fünf-Prozent-Hürde meistern wird. Zwei Drittel trauen der Linken auch langfristig keine Regierungsbeteiligung auf Bundesebene zu. Nur 20 Prozent halten sie perspektivisch für koalitionsfähig.

"Jede und jeder hat das Recht zu kandidieren"

"Mein Maßstab ist, ob wir eine kooperative Führung hinbekommen, in der Repräsentanten von Volkspartei und Interessenpartei gezwungen sind, wirksam und gemeinsam zu handeln", sagte Gysi. Namen wollte er nicht nennen. Er kritisierte aber Forderungen aus westlichen Landesverbänden, der frühere Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch solle seine Kandidatur für den Parteivorsitz zurückziehen. "Jede und jeder hat das Recht zu kandidieren. Man sollte nicht öffentlich vorschlagen, dass einer auf seine Rechte verzichtet", sagte Gysi.

Der frühere Vorsitzende Oskar Lafontaine hatte eine Rückkehr an die Parteispitze davon abhängig gemacht, dass Bartsch, der die ostdeutschen Reformer hinter sich hat, seine Kandidatur zurückzieht. Nach Bartschs Weigerung hatte Lafontaine seine Bereitschaft zurückgezogen. In der Linken steht das Reformlager der westlich geprägten Parteilinken gegenüber. Gysi appellierte an die Delegierten des Parteitags in Göttingen, doch noch lagerübergreifende Kompromisse zu finden. "Die Lage in Europa, die Kriege, die Finanzkrise, die Art, wie die Banken ihre Macht gegen die Parlamente und Regierungen ausspielen, machen eine starke Linke in Deutschland erforderlich. Es wäre jammerschade, wenn die Linke sich in einer solchen Zeit zerlegte."

Sechs Kandidaten mit realistischen Chancen

Für die zwei Vorsitzendenposten gibt es elf Bewerber, von denen sechs reelle Chancen eingeräumt werden. Der linke Parteiflügel hat den baden-württembergischen Landeschef Bernd Riexinger ins Rennen geschickt, der es vor allem mit Fraktionsvize Dietmar Bartsch aufnehmen muss. Als Alternative zwischen den beiden Flügeln stellen sich Parteivize Katja Kipping aus Sachsen und die nordrhein-westfälische Landeschefin Katharina Schwabedissen zur Wahl.

mad/DPA DPA

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