Gerichtsurteil Haft für Sex ohne Kondom


Ein Kenianer steckte sich bei einer Deutschen mit dem HI-Virus an. Anschließend verschwieg er seine Infektion und hatte mit verschiedenen Frauen mehrmals Sex ohne Kondom - ein Racheakt, glaubt die Staatsanwaltschaft.

Ein Afrikaner muss fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis, weil er ohne Kondome mit mehreren Frauen Sex hatte und ihnen nichts von seiner HIV-Infektion erzählte. Das Landgericht in Würzburg verurteilte den 38-Jährigen wegen versuchter und gefährlicher Körperverletzung in neun Fällen. Zwei seiner sieben Ex-Freundinnen aus Unter- und Mittelfranken steckten sich mit dem Erreger der Immunschwächekrankheit an. Mit dem Verschweigen seiner Infektion habe sich der Kenianer strafbar gemacht, urteilten die Richter.

Keine Rache an deutschen Frauen

Der Kenianer war ursprünglich auch wegen versuchten Totschlags angeklagt. Die Staatsanwaltschaft hatte acht Jahre Haft und anschließende Sicherungsverwahrung gefordert, weil der Discjockey eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle. Nach Auffassung des Anklagevertreters hatte der Mann seine Partnerinnen absichtlich anstecken wollen, um sich an deutschen Frauen zu rächen, weil er sich selbst bei seiner deutschen Ex-Frau mit dem Virus infiziert hatte. Das Gericht sah den Rachevorwurf jedoch als nicht erwiesen an. Der Kenianer habe auf seine Medikamente vertraut. Ein Psychiater hatte dem Mann im Verfahren lediglich Grundwissen über Aids bescheinigt.

Das Gericht begründete die Höhe der Haftstrafe mit der Neigung des 38-Jährigen zu Rechtsbrüchen. "Dennoch kann man keine Gefährlichkeitsprognose bejahen", erklärten die Richter. Ein Tötungsvorsatz habe nicht vorgelegen. Bereits im Jahr 2002 seien Ermittlungsverfahren wegen ungeschütztem Sex gegen den Kenianer folgenlos geblieben. Der mehrfache Vater habe daraus geschlossen, sein Verhalten sei nicht so schlimm, sagte der Vorsitzende Richter.

"Tickende Zeitbombe aus dem Verkehr"

Der Verteidiger hatte auf dreieinhalb Jahre Haft ohne Sicherungsverwahrung plädiert. Der Anwalt zeigte sich mit dem Urteil zufrieden. Die Kammer habe den Sachverhalt objektiv gewürdigt. Die Anwältin der Nebenklägerin sagte, für ihre Mandantin sei es wichtig gewesen, dass "die tickende Zeitbombe nun aus dem Verkehr gezogen ist".

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, das Urteil sei eine nachhaltige Strafe mit Signalwirkung. Hinsichtlich der Sicherungsverwahrung werde eine Revision geprüft. Da im Prozess noch mehr Fälle von ungeschütztem Sex mit dem 38-Jährigen bekannt geworden seien, seien weitere Anklagen wahrscheinlich.

DPA DPA

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