Gespräch mit Franz Müntefering Ich bleibe auch bei Wahlniederlage 2006 im Amt


Hamburg - Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering will sein politisches Schicksal bei der Bundestagswahl 2006 nicht mit dem von Bundeskanzler Gerhard Schröder verbinden. "Ich bin gewählt bis 2005. Nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge werde ich dann wieder kandidieren und bis Ende 2007 verlängern", sagte er in einem Interview mit dem stern. Auf die Frage, ob er mit abtrete, falls Schröder die Wahl 2006 verliere, antwortete Müntefering: "Ein Vorsitzender muss seine Amtszeit nicht analog zu den Bundestagswahlen setzen. Er ist von der Partei gewählt und hat die Pflicht, so zu agieren, dass das zum Nutzen der Partei ist."

Der SPD-Chef machte zudem erstmals Interessenunterschiede zwischen ihm und Schröder deutlich. "Ich bin der Parteimann, er ist der Kanzler. Wir haben unterschiedliche Aufgaben. Er muss das Interesse des Landes im Blick haben, ich das Interesse der Partei. Dazwischen gibt es breite Schnittmengen", sagte Müntefering dem stern. Er gestand ein, dass es in der SPD derzeit keine Alternative zu Kanzler Schröder gebe. "Im Moment ist jedenfalls kein anderer von uns da." Während Schröder derzeit scharf mit den reformkritischen Gewerkschaften ins Gericht geht, bemüht sich Müntefering, einen Bruch mit dem DGB zu verhindern. "Wir wollen beide miteinander was zu tun haben. Wir bleiben nahe beieinander, trotz alledem." Das persönliche Verhältnis zu Schröder beschrieb Müntefering im stern so: "Wir sind sehr aufeinander zugegangen in den letzten Jahren. Das ist zwischen uns mehr, als man unter Parteifreundschaft versteht. Aber es ist nie dazu gekommen, dass wir gesagt haben: Wir machen auf privat. Darauf komme ich nicht, darauf kommt er nicht." Redemanuskripte stimme er nicht mit Schröder ab, sagte der SPD-Chef, fügte jedoch hinzu: "Ich bringe ihn nie absichtlich in Verlegenheit." Selbstkritisch äußerte sich Müntefering zur bisherigen Politik der Bundesregierung. "Didaktisch war es sicher nicht gut, was wir gemacht haben. Es hat viel Durcheinander gegeben. Wir haben Entscheidungen getroffen, die nicht ausreichend vorbereitet, nicht diskutiert waren." Es sei ein Problem, Menschen etwas zuzumuten, ohne ihnen zuvor gesagt zu haben, "dass es stattfinden wird und zu welchem Zweck, wann es zu Ende sein wird und was noch dazu kommt, damit ein Gesamtbild entsteht". Eine Aussöhnung mit dem ehemaligen SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine, dem er jüngst auf dem Parteitag der saarländischen SPD die Hand gegeben hatte, lehnte Müntefering kategorisch ab. Lafontaine fehle ihm nicht und der Partei auch nicht. "Er hat keine Chance mehr", sagte er. "Seine Rückkehr in eine Führungsfunktion ist ausgeschlossen."


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