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Grünen-Parteitag: Showdown zwischen Bütikofer und Metzger

Endlich! Sozialketzer Oswald Metzger tritt ans Mikro, nennt sich einen "Bad Guy" - und entschuldigt sich nicht für seine Äußerungen über Sozialhilfeempfänger. Dafür watscht ihn Parteichef Bütikofer ab. Ein Celebrity-Death-Match light.

Von Lutz Kinkel, Nürnberg

Er gibt Interviews. Ständig. Überall. Jedem, der ihm ein Mikro hinhält. Immer etwas in der Deckung, also an der hinteren Wand der Nürnberger Kongresshalle. Und vorne, auf dem Podium, ärgern sie sich schwarz. Denn die Parteispitze der Grünen hat nicht die geringste Lust auf die große Oswald-Metzger-Show. Sie will selbst die Akzente in den Medien setzen. Aber alle fragen sich nur: Was erlauben Metzger? Mutiert er zur Gabriele Pauli der Grünen?

Metzger darf drei Minuten auf dem Parteitag reden. Steffi Lemke, Bundesgeschäftsführerin der Grünen, hatte schon beim morgendlichen Presse-Briefing klargestellt, dass die Parteispitze ihm keinen größeren Auftritt gestatten werde. Drei Minuten. Metzger nutzt sie, um sich nicht für seine Äußerungen im stern.de-Interview zu entschuldigen. Pfiffe. Vereinzelte Buhrufe. Metzger nennt sich den "Bad Guy des Parteitags" und legt noch mal nach. Den Antrag des Vorstands, 60 Milliarden Euro zugunsten der Schwachen umzuverteilen, hält er für falsch. "Wir wollten immer Hilfe zur Selbsthilfe", ruft Metzger in die Kongresshalle. Und: "Denkt an die Kinder!" Er meint die Kinder aus Familien, die seit Generationen von Sozialhilfe leben. Denen sei mit ein paar Euro mehr nicht zu helfen.

"Den Bundesvorstand zu kritisieren, das kann jeder"

Dann kommt Metzger zum wichtigsten Programmpunkt: Metzger. "Mir haben viele gesagt, Du bist ein Querkopf." Gleichzeitig hätten ihn viele aufgefordert, in der Partei zu bleiben. Und dann bittet er die Delegierten indirekt um Toleranz für Querköpfe. Nanu: Haben CDU und FDP ihre Angebote an Metzger zurückgezogen? Gnädiger Applaus von den Delegierten. Alles halb so wild.

Direkter Konter von Parteichef Reinhard Bütikofer, der als vergrübelt gilt, aber auch donnern kann. "Oswald!", holt Bütikofer aus, "wenn Du Dich hier hinstellst und Lektionen erteilst..." - dann sollte er doch gefälligst auch die Lektion lernen, dass man sich für solche Äußerungen entschuldigen müsse. Es sei nicht souverän, auf den Gefühlen von Hartz-IV-Empfängern herumzutrampeln. "Und ich finde es nicht souverän, so zu tun, als gehöre Heldenmut dazu, den Bundesvorstand zu kritisieren - das kann jeder." Tosender Applaus. "Ich gehöre nicht zu denen, die sagen: Oswald geh", sagt Bütikofer, "sondern ich sage: Oswald geh in Dich!" Tosender Applaus Teil II.

Metzgers Antrag fällt durch

Was meint die Basis? Metzger sagt in seiner Rede, bei früheren Abstimmungen hätten seine wirtschaftsliberalen Anträge 30 Prozent geholt. Bütikofer retourniert, Metzger habe gerade einen entscheidenden Antrag zurückgezogen, nämlich jenen, der sich gegen die Erhöhung der Hartz-IV-Sätze ausspricht. "Ich fordere Dich auf: Stelle ihn zur Abstimmung! Dann werden wir ja sehen", höhnt Bütikofer. Ein zweiter Antrag Metzgers fällt bei offener Abstimmung glatt durch.

Metzger eilt zu Rückwand. Interviews. Bütikofer sitzt wieder. Punktsieg für ihn. Am Dienstag will Metzger bekannt geben, ob er bei den Grünen austritt. Und dann wohin geht? Fortsetzung folgt.