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Hamburger SPD: Naumann wird mit Schröder wahlkämpfen

"Ich habe viele Wahlkämpfe geführt - und alle verloren". Derart offen geben sich Politiker selten. Anders der neue Spitzenkandidat der Hamburger SPD, Michael Naumann. Bei seiner Vorstellung verriet er zudem, mit welchem Altkanzler er in den Wahlkampf ziehen will.

Der designierte Spitzenkandidat der Hamburger SPD, Michael Naumann, ist überzeugt, die Partei aus der Krise zu führen und 2008 Bürgermeister in der Hansestadt zu werden. Die SPD habe lediglich einen Familienkrach hinter sich. Dass sich die Partei in Hamburg selbst zerlege, sei falsch, sagte der frühere Kulturstaatsminister bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach der Nominierung durch die SPD-Findungskommission.

Naumann kündigte an, mit Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) in der Hansestadt Wahlkampf machen zu wollen. Naumann - als Mitherausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit" bereits beurlaubt - soll bei der Bürgerschaftswahl 2008 gegen CDU-Bürgermeister Ole von Beust antreten. Das letzte Wort hat ein Landesparteitag am 24. März.

Innerhalb von sechs Stunden entschieden

"Die Entscheidung, in dieser für die Sozialdemokratie prekären Situation anzutreten als Gegenkandidat von Ole von Beust, ist mir relativ leicht gefallen", sagte Naumann. Nach der Einladung durch den Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Olaf Scholz, und SPD-Chef Kurt Beck habe er das "innerhalb von sechs Stunden" mit seiner Frau geklärt. Er glaube, Hamburg voranbringen zu können. Er sei schließlich nicht nur Journalist und Publizist, sondern auch Geschäftsführer gewesen. "Ich habe also ein gewisse Ahnung von der Wirtschaft."

Befürchtungen, er sei als Wahlkämpfer unerfahren und kenne die Parteibasis nicht, wies Naumann zurück. "Ich habe als Student unendlich viele Wahlkämpfe geführt - und alle verloren." 1998 habe er dann mit Schröder gewonnen. Mit Blick auf die Basis sagte er: "Ich bin kein Parteiarbeiter. Das gebe ich zu. Ich muss es aber werden." Über mögliche Koalitionen der SPD in der Bürgerschaft wollte er sich nicht konkret äußern. Er sagte jedoch: "Was mir lieb ist, können Sie sich vorstellen - die Grünen."

Der aus Berlin angereiste SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte, dies sei ein "guter Tag für Hamburg und ein guter Tag für die Bundes-SPD". Die Hamburger hätten es geschafft, ihre Probleme selbst zu lösen. 2007 gebe es nur eine Wahl in Bremen. Dort sei die SPD bereits an der Regierung beteiligt. "Im nächsten Jahr 2008 geht es darum, für die SPD Land zurückzugewinnen. Und wir wollen in Hamburg anfangen, um es deutlich zu sagen." In der Hansestadt regiert derzeit die CDU mit absoluter Mehrheit. Heil sagte, die SPD blicke nun zuversichtlich nach vorne. "Wir lassen das, was die Partei gelähmt, deprimiert und auch belastet hat, mit dem heutigen Tag hinter uns."

"Müssen einen Neuanfang machen"

Der designierte Hamburger SPD-Chef Ingo Egloff äußerte sich ähnlich. Der SPD-Fraktionsvize in der Bürgerschaft sagte: "Mein Aufgabe in den nächsten Wochen und Monaten wird es sein, die Situation in der Partei wieder auf eine rationale Basis zu stellen. Wir müssen einen Neuanfang machen."

Die SPD Hamburg befindet sich seit Wochen in einer schweren Krise. Zuletzt hatte es Altbürgermeister Henning Voscherau abgelehnt, als Spitzenkandidat anzutreten. Zuvor war der gesamte SPD-Landesvorstand zurückgetreten, nachdem bei einer Mitgliederbefragung zur Spitzenkandidatur Wahlzettel verschwunden waren. Die noch amtierende Vizeparteichefin Dorothee Stapelfeldt kündigte an, dass der Skandal trotz der nun gefundenen Lösung bei der Spitzenkandidatur "rückhaltlos aufgeklärt" werde. Der Verbleib der Stimmzettel soll nun von einer Untersuchungskommission der Partei ermittelt werden.

DPA / DPA