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Helmut Kohl: Altkanzler darf Tonbänder mit Lebenserinnerungen behalten

Ein Publizist hat vor zwölf Jahren Tonaufnahmen von Helmut Kohl gemacht, für die Memoiren des Altkanzlers. Nach einem Streit behielt der Ghostwriter die Bänder. Jetzt soll Kohl sie zurückbekommen.

Helmut Kohl hat auch die zweite Etappe des Rechtsstreit um sein politisches Vermächtnis gewonnen: Das Oberlandesgericht (OLG) Köln entschied am Freitag, dass der Altkanzler (CDU) Tonbänder mit insgesamt 630 Stunden Gesprächsmitschnitten behalten darf. Vor dem Kölner Landgericht hatte sich Kohl bereits in erster Instanz mit einer Klage gegen den Publizisten Heribert Schwan auf Herausgabe der Tonbänder durchgesetzt. Auf den Bändern sind Gespräche zwischen Kohl und Schwan über das Leben des früheren Kanzlers dokumentiert.

Schwan hatte nach seiner Niederlage vor dem Landgericht die Tonbänder einem Gerichtsvollzieher ausgehändigt, zugleich aber Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil eingelegt. Diese Berufung wies das Oberlandesgericht nun zurück.

Kohl forderte "Lebenserinnerungen" zurück

In den Jahren 2001 und 2002 hatte Kohl in seinem Haus in Oggersheim mit Schwan als Ghostwriter einer Kohl-Biografie an mehr als 100 Tagen ausführliche Gespräche geführt, die auf den Tonbändern aufgezeichnet sind. Nach seinem schweren Treppensturz 2008 musste Kohl die Arbeit mit Schwan an der Biografie unterbrechen.

Im März 2009 beendete der Altkanzler schließlich die Zusammenarbeit mit dem Journalisten. Seine spätere Forderung nach Herausgabe der Tonbänder begründete Kohl damit, dass nur er über seine Lebenserinnerungen zu bestimmen habe.

Schwan hatte von 1999 bis 2009 mit Kohl an dessen Memoiren gearbeitet. Bisher sind drei Bände erschienen, sie umfassen die Jahre 1930 bis 1994. Die letzten vier Jahren Kohls im Kanzleramt bis zu seiner Abwahl 1998 fehlen noch in der biografischen Buchreihe - damit fehlt in einem möglichen vierten Band auch die Darstellung unter anderem der CDU-Spendenaffäre. Der damalige CDU-Vorsitzende Kohl hatte von 1993 bis 1998 anonyme Spenden für die Partei entgegengenommen. Das Geld wurde nicht ordnungsmäß im Rechenschaftsbericht ausgewiesen.

jen/AFP/DPA / DPA