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Universität Greifswald: Identitäre werden zum Gespräch eingeladen, lehnen ab - und verdrehen im Nachhinein die Tatsachen

In der Universität in Greifswald hält ein Professor eine Vorlesung über "Framing". Dann kapert eine Gruppe Identitärer die Bühne und wird daraufhin vom Professor zur Diskussion eingeladen. Auf einen Meinungsaustausch hatten die Rechten dann aber doch keine Lust.

Identitäre: Flaggen

Das ist die Flagge der "Identitären Bewegung". Hier auf einer Veranstaltung der Gruppierung in Mecklenburg-Vorpommern.

DPA

Die "Identitäre Bewegung", eine rechte Gruppierung größtenteils junger Menschen, gibt es in Deutschland seit dem Jahre 2012. Sie werden bereits vom Verfassungsschutz beobachtet und gelten als fremdenfeindlich. Seit geraumer Zeit stören Gruppen der Bewegung vermehrt öffentliche Veranstaltungen und stellen sich als Opfer einer angeblichen Meinungsdiktatur dar. So nun auch in der Universität Greifswald. Das berichtet unter anderem "Bento".

Sprachforscher Eric Wallis referierte vor rund 60 Leuten gerade über "Framing" und Fremdenhass. Es ging darum, wie rechte Gruppen mit einer bestimmten Wortwahl unsere Wahrnehmung vergiften. Wie sie sich zu nutze machen, dass Worte unsere Realität bestimmen und schaffen. 

Gruppe stört Veranstaltung

Dann aber wurde die Vorlesung gestört, von rund 20 Identitären. Die "stürmten" die Bühne der Veranstaltung und rollten kurzerhand ein Banner mit der Aufschrift "Man wird doch wohl noch seine Meinung sagen dürfen". Dabei riefen sie Sprüche wie "Festung Europa - macht die Grenzen dicht" und posierten für Fotos. Zu ihrer Überraschung allerdings durften sie aber doch ihre Meinung äußern, denn der Dozent Eric Wallis lud die Störenfriede sofort zur Diskussion ein. Schließlich gelte in Deutschland Meinungsfreiheit.

Die Identitären aber verließen wortlos den Vorlesungssaal, ohne auf das Angebot einzugehen. Eric Wallis postete  anschließend ein Video auf Twitter: "Meine Vorlesung über die Manipulation besorgter Bürger & Bürgerinnen durch rechtes Framing wurde angereichert durch ein Praxisbeispiel der sogenannten Identitären. Leider ging ihr Opfer-Framing nicht auf". 

Offenbar hat diese Situation die Identitären überrascht, sie hatten entweder nichts zu sagen, waren nicht vorbereitet - oder sind vielleicht gar nicht auf Meinungsaustausch aus.

Identitäre Bewegung verdreht im Nachhinein die Tatsachen

Im Nachhinein wurde die Aktion von der Gruppe auch noch verdreht und in den sozialen Medien ausgeschlachtet. Sie behaupteten hinterher auf Twitter, dass sie bei ihrer Intervention nicht hätten frei reden dürfen. Dazu fälschten sie ein Foto, auf dem zu sehen ist, wie einer der Identitären von zwei Männern in blauen Westen abgeführt wird. Das sollte implizieren, sie wären sozusagen "unterdrückt" worden und es herrsche keine Meinungsfreiheit.

 
Die Gruppe wurde aber überhaupt nicht so der Universität verwiesen, die Männer in den blauen Westen gehören wohl selbst zu den Identitären. Auf Twitter bestätigt ein Nutzer, dass er einen der "Ordner" kennt - und der zu den Identitären gehört. Auch die Uni Greifswald ließ verlauten, dass die Männer nicht Teil der Sicherheitsleute sind.

Quellen: "Bento", "Der Westen", Twitter

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wlk