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Internationale Presseschau zu Wulff "Toben wie Rumpelstilzchen"

Für Christian Wulff wird es nach den Drohanrufen bei der "Bild"-Zeitung eng. Fast einmütig kritisieren deutsche Zeitungskommentatoren das Verhalten des Bundespräsidenten. Aber wie sieht die internationale Presse die Affäre?

Christian Wulff gerät nach Bekanntwerden seiner Drohanrufe bei der "Bild" weiter unter Druck, will aber laut ARD-Informationen im Amt bleiben. Auch im Ausland wird die Affäre um den deutschen Bundespräsidenten genau beäugt. stern.de hat einen Blick in die Zeitungen geworfen.

"Le Figaro" aus Frankreich/Paris

Die französische Tageszeitung "Le Figaro" merkt an, dass die Hoffnung Wulffs, die Affäre über die Weihnachtsfeiertage auszusitzen, gescheitert ist:

"Das Jahr 2012 beginnt für den deutschen Bundespräsidenten so schlecht wie das Jahr 2011 aufgehört hat. Christian Wulff scheint so isoliert zu sein wie nie zuvor. (...) Die Enthüllungen über seine direkte Einflussnahme (auf die Presse) sind so verfänglich, weil er in seinem dem Wesen nach ehrenamtlichen Amt eigentlich eine moralische Autorität im Land verkörpern sollte. Die Medienwelt, allen voran die konservative Presse, straft Wulff mit herber Kritik. (...) Die sozialdemokratische Opposition fordert nun seinen Rücktritt, während die Konservativen und Liberalen Erklärungen verlangen. Wulffs Schicksal liegt in den Händen von Angela Merkel."

"Neue Zürcher Zeitung" aus der Schweiz/Zürich

Mit drastischen Worten kommentiert die "Neue Zürcher Zeitung" am Mittwoch die Affäre, merkt aber auch an, dass die politische Klasse in Deutschland insgesamt keine große Lust auf eine weitere Neuwahl nach Köhler verspüre:

"Ein Präsident, der die unfassbare Dummheit begeht, angesichts einer drohenden Blamage wie Rumpelstilzchen zu toben und seine Suada auch noch auf einer Mailbox zu hinterlassen, verströmt nicht die Würde, die das Amt erfordert. Und wenn er sich darüber beklagt, dass seine Auslassungen publik werden, klingt das schal. Bundeskanzlerin Merkel will wohl, pragmatisch wie immer, abklären, ob der Koalition ein Verbleiben Wulffs im Amt grösseres Ungemach bereitete als seine zügige Ersetzung durch einen Kandidaten mit mehr Statur."

"De Telegraaf" aus den Niederlanden/Amsterdam

Ähnlich sieht es die niederländische Zeitung "De Telegraaf":

"Die Affäre Wulff ist auch zu einem Problem für Merkel geworden. Sie hatte ihrem Parteifreund zum höchsten Amt verholfen. So war sie auf einen Streich einen potenziellen Konkurrenten losgeworden. "Wulff hat einen moralischen Kompass", urteilte die Pfarrerstochter aus der einstigen DDR bei seiner erfolgreichen Wahl. Doch Wulff hat sein Fingerspitzengefühl verloren. Selbst seine eigenen Parteifreunde lassen ihn im Stich."

"Trud" aus Bulgarien/Sofia

Die bulgarische Tageszeitung "Trud" glaubt, dass es letztlich die Drohanrufe bei der "Bild" sein werden, die den deutschen Bundespräsidenten zu Fall bringen:

"Der deutsche Präsident Christian Wulff überlebte eine brisante Affäre Ende 2011 um einen 500 000 Euro-Kredit von einem Freund und ein zinsgünstiges Bankdarlehen, doch er könnte seinen Posten wegen einer versuchten groben Einmischung in die Arbeit einer Zeitung verlieren. (...) Die Enthüllungen über Drohungen an die Presse könnten ihn (Wulff) nun daran hindern, sein Mandat zu Ende zu führen, meinen Analysten."

jwi/DPA DPA

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