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Jan Dittrich: Juli-Chef gibt Zepter ab

Gerade einmal ein Jahr dauerte die Parteikarriere des Jan Dittrich. Nachdem der Vorsitzende des Jungen Liberalen sehr unhöfliche Bemerkungen über Senioren gemacht hatte, ist er von seinem Posten zurückgetreten.

Seine pauschale Senioren-Schelte kostet Jan Dittrich sein Amt. Nach der parteiübergreifenden Empörung teilte der Vorsitzende der FDP-Nachwuchsorganisation Junge Liberale (Julis), am Freitag mit: "Ich trete als Bundesvorsitzender der Julis zurück. Ich habe einen Fehler gemacht und trage hierfür auch die Konsequenz."

Zuvor hatte der 28-jährige den jüngst veröffentlichten Armutsbericht mit den Worten kommentiert: "Es wird Zeit, dass die Alten von ihrem Tafelsilber etwas abgeben - einen Löffel oder besser gleich ein paar davon." Außerdem sagte er, dass die junge Generation nicht gleichzeitig ihren Lebensunterhalt verdienen, für die Rente der Senioren aufkommen und privat für die eigene Zukunft vorsorgen könnten.

"Geschmacklos und unreif"

Die Reaktion auf Dittrichs Äußerungen stießen auch in der eigenen Partei auf Ablehnung: Als "geschmacklos und unreif" bezeichnete sie der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle. Der Juli-Vorsitzende hatte am Mittwoch die "Dreifach-Belastung" der jungen Generation beklagt und die Rentner aufgefordert "einen Teil ihrer Kohle" rauszurücken. Inzwischen entschuldigte er sich für seine Äußerungen.

Auch die Jungen Liberalen in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz distanzierten sich von den Äußerungen ihres Bundesvorsitzenden und forderten Dittrich auf, sich zu entschuldigen. Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende in Schleswig-Holstein, Heiner Garg, verlangte ein einem Brief an den FDP-Vorsitzenden, Westerwelle müsse Dittrich den Rücktritt und auch den Parteiaustritt nahe legen. Es müsse ein unmissverständliches Zeichen gesetzt werden, "dass dieses Geschwätz nicht die geistige Haltung der FDP widerspiegelt", so Garg. Der Hamburger FDP-Chef Leif Schrader nannte die Aussagen eine "unsachliche Pöbelei".

"Pubertäre Arroganz und absolute Ahnungslosigkeit"

Auch die Senioren-Union der CDU reagierte mit Empörung und sprach von "pubertärer Arroganz und absoluter Ahnungslosigkeit". Die Arbeitsgemeinschaft 60 plus der SPD verwies darauf, dass die ältere Generation maßgeblich den heutigen Wohlstand erarbeitet habe. "Wenn wir Alten heute alle die Löffel abgeben würden, hätte die junge Generation keine Zukunft mehr", sage der Bundesvorsitzende Otto Graeber. Auch die Deutsche Hospiz Stiftung reagierte empört und warf Dittrich vor, die Würde alter und kranker Menschen "mit solch brutalen Forderungen" zu verletzen.

Dittrich selbst gab nach der massiven Kritik zu, den Bogen überspannt zu haben. Er habe durch seine Aussage die Gefühle vieler Menschen verletzt, schrieb er in einer Pressemitteilung und bat gleichzeitig um Entschuldigung.

Der 28-jährige wurde erst vergangenes Jahr im März zum neuen Chef der Jungliberalen gewählt.

DPA/Reuters/AP / AP / DPA / Reuters