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Kandidatenkür: Merkel fordert Schröder heraus

Der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber hat die Nominierung Angela Merkels als Kanzlerkandidatin von CDU und CSU verkündet. Mit einem stark personalisierten Wahlkampf will Amtsinhaber Gerhard Schröder ihr begegnen.

CDU-Chefin Angela Merkel ist offiziell die Kanzlerkandidatin der Union bei der vorgezogenen Bundestagswahl im Herbst. Der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber gab die Nominierung Merkels am Montag in Berlin nach einer gemeinsamen Präsidiumssitzung der beiden Schwesterparteien bekannt. Die Entscheidung sei einstimmig und einmütig gewesen, sagte Stoiber unter tosendem Beifall auf einer Pressekonferenz im Konrad-Adenauer-Haus.

Merkel habe das volle Vertrauen und die volle Unterstützung von CDU und CSU, betonte Stoiber. Er begründete es unter anderem mit den „großartigen“ Wahlerfolgen der Union wie jüngst in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen.

"Wenn wir so weitermachen, verspielen wir den Wahlerfolg"

Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Christoph Böhr sprach vor den Beratungen von einem glücklichen Tag für CDU und CSU. Merkel sei als Kanzlerkandidatin "konkurrenzlos und unumstritten". Zugleich warnte Böhr vor einer Fortsetzung des Steuerstreites: "Wenn wir so weitermachen, verspielen wir noch den Wahlerfolg."

Der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus sprach von einem "historischen Tag". Er sei begeistert, dass es nach Jahren der Diskussion jetzt gelinge, eine Kanzlerkandidatin noch dazu aus den neuen Ländern zu nominieren. CSU-Landesgruppenchef Michael Glos antwortete auf die Frage, wie er die Nominierung Merkels empfinde: "Fantastisch."

"Brauchen einen klaren Kurs"

Zum Wahlprogramm, das bis zum 11. Juli vorliegen soll, sagte der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff dem "Mannheimer Morgen": "Wir brauchen einen klaren Kurs. Die Eckpfeiler unseres Programms müssen deutlich und konturiert sein." Wenn die Bevölkerung wisse, dass die Lage ernst sei, erfordere es nicht so viel Mut, reinen Wein einzuschenken, wie in Zeiten, in denen alle sagten: "Es wird gut".

Auch der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust forderte die Union auf, im Wahlkampf den Menschen reinen Wein einzuschenken. "Es wird vor der Wahl konkretisiert, was nach der Wahl wehtun wird. Sonst heißt es hinterher: Ihr habt die Wähler betrogen", sagte der CDU-Politiker der Tageszeitung "Die Welt". Die Union müsse deutlich machen: "Wir haben ein Wahlprogramm, in dem auch unpopuläre Dinge stehen." Es gehe nicht um eine Personality-Show; die Probleme des Landes seien so gigantisch, wie sie in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht gewesen seien, sagte Beust.

Auch Schröder hat sich bereits auf Merkel als Gegner eingestellt. Und auch eine Wahlkampfstrategie schwebt dem Kanzler bereits vor: "Ich glaube, wir tun gut daran, eine sehr personalisierte Auseinandersetzung zu führen, die auf die beiden Spitzenleute zugeschnitten werden wird." Noch vor Wochen hatte er gesagt, es werde bei der nächsten Bundestagswahl um eine Entscheidung Schröder/Fischer oder Merkel/Westerwelle gehen. Statt auf Teamwork setzt er jetzt auf den Zweikampf mit der Herausforderin.

Den direkten Vergleich der Spitzenkandidaten will Schröder offenbar wieder in einem Fernsehduell kurz vor der Wahl gipfeln lassen. In den Umfragen lag er - ungeachtet der Talfahrt der SPD - lange Zeit vor Merkel. Allerdings scheint sich auch hierbei das Blatt zu wenden. In der vergangenen Woche sah das ZDF-Politbarometer erstmals die CDU-Chefin mit 50 zu 44 Prozent bei der Kanzlerfrage vorne.

Schröder bleibt bei Unternehmenssteuern hart

Inhaltlich scheint Gerhard Schröder bei seiner bisherigen Linie zu bleiben. Im Streit um die geplanten Steuersenkungen für Unternehmen ist er offenbar nicht zum Einlenken bereit. Seine Position sei bekannt und davon gebe es nichts abzustreichen, sagt er dazu. Was die Haltung der Koalitionsparteien angehe, müsse man sehen, "wie sich das entwickelt". Der Koalitionskrach zwischen den beiden Parteien aber ebbt langsam ab. Dennoch soll es keinen Koalitionswahlkampf geben. "Das ist ganz natürlich. Das war auch immer so." Und sein Wahlziel definierte Schröder folgendermaßen: "Mein innerer und tatsächlicher Auftrag ist es, die SPD zur stärksten Partei in dieser Auseinandersetzung zu machen."

AP/DPA / AP / DPA