Kanzlerkandidatur Wulff schlägt Merkel


Rot-Grün ist in arger Not, in Umfragen liegt die Union vorne - die Karrierechancen von CDU-Chefin Angela Merkel stehen gut. Dumm nur, dass die Deutschen lieber Christian Wulff als Kanzlerkandidaten sehen würden.

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff erfüllt aus der Sicht der Wählerinnen und Wähler am ehesten die Voraussetzungen für den Kanzlerkandidaten der Union bei der nächsten Bundestagswahl. Bei einer am Donnerstag vorab veröffentlichten Umfrage des Instituts TNS Infratest im Auftrag des Hamburger Magazins "Der Spiegel" sahen 34 Prozent der Befragten Wulff vorne. Am meisten Zustimmung erreichte der 45-jährige Wulff bei den über 60-Jährigen (46 Prozent).

Roland Koch abgeschlagen

Insgesamt 22 Prozent halten CDU-Chefin Angela Merkel für die geeignetste Herausforderin von Bundeskanzler Gerhard Schröder. Der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber kam auf 17 Prozent. Nur 10 Prozent trauen Hessens Ministerpräsidenten Roland Koch eine erfolgreiche Kandidatur zu. Befragt wurden laut "Spiegel" 1.000 Personen vom 21. bis 23. März. Wulffs tatsächliche Chancen, die Union in den Bundestagswahlkampf zu führen, sind gering. Die Stimmungslage in der Bevölkerung ist kein Abbild der Mehrheitsverhältnisse in CDU und CSU. Dennoch ist das Ergebnis der Umfrage ein Rückschlag für Angela Merkel. Zwar hat sie die besten Aussichten auf die Kandidatur, aber ihr Führungsstil ist im eigenen Lager dennoch umstritten. Vielen gilt sie als zu schwach, sie profitiere lediglich vom Tief der Regierungskoalition, heißt es, aber nicht von der eigenen Leistung. Merkel hat bereits genug Mühe, den ehrgeizigen bayerischen Regierungschef Edmund Stoiber im Zaum zu halten - da kann ihr der Konkurrent Wulff nur schaden - selbst, wenn der sich selbst weigert, diese Rolle einzunehmen.

Niedersachse schließt Kandidatur aus

Wulff selbst schloss seine Kandidatur wiederholt aus. Er sprach sich für Merkel als nächste Herausforderin Schröders aus. Auch Schröder selbst hatte am Montag in der N-Tv-Sendung "Maischberger" gesagt, dass er mit Merkel als Gegenkandidatin rechne. Offiziell entschieden werden soll diese Frage von den Unionsspitzen voraussichtlich im Herbst Zu einem vergleichbaren Ergebnis wie die Umfrage des "Spiegel" war bereits eine Anfang Februar veröffentlichte repräsentative Befragung von Führungskräften der Wirtschaft im Auftrag des "Handelsblattes" gekommen: 38 Prozent hielten Wulff für den besten Kandidaten, 22 Prozent votierten für Merkel.

Florian Güßgen mit Material von AP

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