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Kinderporno-Debatte: Nacktfotos sind oft nur der Anfang

Familienministerin Schwesig will schärfere Regeln für Kinder-Nacktfotos, Justizminister Maas den Handel damit verbieten. Aus Experten-Sicht sind die Nacktbilder oft Einstiegsdroge für Kinderpornos.

Der ehemalige SPD-Abgeordnete Sebastian Edathy hat sich mit seinen Bestellungen von Fotos nackter Kinder offenbar am Rande des Gesetzes bewegt. Die Konsequenz daraus ist nicht nur Tumult in der Regierung. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) erwägt seit der Affäre ein Verbot des Handels mit Nacktfotos von Kindern, Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) will schärfere Regeln für Kinderfotos prüfen, die aufreizend, aber nicht explizit pornografisch sind.

Aus gutem Grund, wie Experten bestätigen. Nach deren Sicht ist das Betrachten scheinbar harmloser Nacktfotos von Kindern oft nur ein erster Schritt hin zu härteren Bildern. "Nach unserer Erfahrung ist der Konsum scheinbar natürlicher Nacktbilder oft nur der Anfang, dann wird weitergesucht im Web", sagte die Psychologin Anna Beckers. Sie arbeitet beim Projekt "Tatgeneigte" der Behandlungs-Initiative Opferschutz (BIOS). Dort finden Menschen Hilfe, die befürchten, selbst eine Sexualstraftat zu begehen.

Hilfsangebote für pädophile Männer

Sind auf Fotos keine Übergriffe zu sehen, sondern posieren Kinder nackt vor der Kamera, ist die rechtliche Lage bislang schwierig. Besitz oder Weitergabe solcher Posing-Bilder sind nur dann strafbar, wenn die unbedeckten Genitalien der Kinder "aufreizend zur Schau gestellt" sind, wie es im Gesetzestext heißt.

"Das Betrachten solcher Bilder kann eine Einstiegsdroge sein, muss es aber nicht", sagte Jens Wagner vom bundesweiten Präventionsnetzwerk gegen Kindesmissbrauch "Kein Täter werden". An acht Standorten in Deutschland bietet das Netzwerk Angebote für pädophile Männer, die ihre Neigung kontrollieren wollen. Rund 3300 Männer haben seit 2005 dort Hilfe gesucht. "Das Therapieziel ist Verhaltenskontrolle", sagte Wagner, damit die Männer ihre Fantasien nicht ausleben.

Nach Schätzungen von Experten fühlt sich etwa ein Prozent der männlichen Bevölkerung sexuell ausschließlich zu Kindern hingezogen. Die meisten pädosexuellen Delikte, auch der Konsum von Kinderpornografie, werden jedoch nicht von rein Pädophilen begangen, sondern von Menschen mit diversen sexuellen Interessen.

jen/DPA / DPA