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Kolumne: Hier spricht der Boomer Klimawandel – wir müssen die Angst von den Schultern unserer Kinder nehmen

Greta Thunberg und Kolumnist Frank Schmiechen
Kolumnist Frank Schmiechen (kl. Foto) spricht sich gegen Angstmacherei in Zusammenhang mit dem Klimawandel – was er auch Greta Thunberg vorwirft.
© Virginia Mayo / AP / DPA
Laut einer Studie glauben mehr als die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen, dass die Menschheit wegen des Klimawandels "dem Untergang geweiht" sei. Wir Eltern sollten Mutmacher sein, statt die die täglichen Schreckensmeldungen noch zu verstärken.
Von Frank Schmiechen

Greta hat es geschafft. Sie wollte, dass wir Angst haben, ja Panik. Jetzt haben wir Angst. Vor allem Kinder und Jugendliche. Eine globale Studie hat ergeben, dass die Mehrheit der 16- bis 25-Jährigen von massiven Zukunftsängsten gequält werden. Wegen des Klimawandels. 56 Prozent glauben, dass die Menschheit "dem Untergang geweiht" sei. Ihr tägliches Leben sei vom Klimawandel beeinflusst, sagen 45 Prozent. Das tut mir in der Seele weh.

Die jungen Menschen werden nicht nur von den Medien täglich mit Schreckensszenarien bombardiert. Auch viele Eltern verbreiten Panik. Ich schreibe einem alten Freund auf Twitter:  "Ich hoffe, dass du Deinen Kindern nicht erzählst, dass die Welt untergeht." Er schreibt zurück: "Doch. … Und ich erkläre ihm, wer gerade der Grund dafür ist." 

Die Welt wird nicht untergehen

Hier die guten Nachrichten für meine und alle anderen Kinder und Jugendlichen.

Die Welt wird in absehbarer Zeit nicht untergehen. Deutschland wird nicht unbewohnbar sein. Auch die Kinder meiner Kinder und deren Kinder werden zur Mittagszeit draußen spielen können. Ja, das Klima wird sich ändern. Aber der Mensch ist ein intelligentes Wesen. Er kann sich auf veränderte Bedingungen einstellen. Das Leben insgesamt ist eine ganz wundervolle Anpassungsmaschine. 

Klimawandel: Auswirkungen können wir abmildern

In Deutschland haben wir eine Jahres-Durchschnittstemperatur um 10 Grad Celsius. Der Klimawandel hat auch Folgen für unser Land. Welche das genau sind, wird gerade erforscht. Derzeit geht das Bundesumweltamt davon aus, dass die Durchschnittstemperatur in Deutschland bis 2100 um ein bis fünf Grad zunehmen wird. Sie läge dann bei 11 bis 15 Grad. Den Hitzetod werden wir in Deutschland nicht sterben. 

Die Auswirkungen des Klimawandels können wir abmildern. Es gibt sehr viele Optionen, durch die Hochwasser, extremes Wetter oder Hitzewellen ihren Schrecken verlieren. Bereits jetzt hat der Mensch sind die Folgen dieser Naturphänomene besser im Griff als früher. Die Folgen sind weniger gravierend, weil wir besser vorbereitet sind und moderne technische Hilfsmittel haben.

Kinder ermutigen, Ideen für eine bessere Zukunft einzubringen

Unsere Wirtschaft muss intelligenter werden. Keine Frage. So, wie sie in den vergangenen 100 Jahren ständig modernisiert wurde. Wir müssen auch dringend an einer schonenderen Energieversorgung arbeiten. Ich bin sicher, dass wir  diese Transformationen klug und schnell hinbekommen, wenn wir nicht in Schockstarre verfallen. Unser Wirtschaftssystem sorgt dafür, dass die klügste Idee am Ende gewinnt. Das beste Beispiel dafür ist die Firma Biontech, der es gelungen ist, in Rekordzeit einen Impfstoff gegen Covid zu entwickeln. 

Wir sollten unsere Kinder und Jugendlichen ermutigen, ihre Ideen für eine bessere Zukunft einzubringen, kraftvoll ihren eigenen Weg zu gehen. Nichts verschweigen. Aber ermutigen. Der wichtigste Schritt ist Bildung. Je mehr sie wissen, desto besser wird es uns in Zukunft gehen. Wir Eltern müssen die Angst von den Schultern unserer Kinder nehmen. Auch die Angst vor der Pandemie. Sie sollen frei denken und leben. Ja, es gibt Probleme in der Welt. Wir haben erkannt, dass es ernst ist. Aber Angst ist kein guter Ratgeber. Wir Eltern müssen Mutmacher sein.


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